Commerzbank-Experte Volkmar Baur weist darauf hin, dass der japanische Yen trotz gestiegener Energiepreise gegenüber dem US-Dollar nur moderat nachgegeben hat und gegenüber dem Euro sogar leicht zulegen konnte. Da sich USD/JPY der Marke von 160 nähert, richtet sich der Blick der Märkte auf die Zinssitzung der Bank of Japan in dieser Woche, die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im April sowie mögliche staatliche Interventionen. Die Commerzbank rechnet mittelfristig weiterhin mit einem stärkeren Yen, erwartet kurzfristig jedoch erhöhte Schwankungen.
„Man könnte meinen, dass der japanische Yen angesichts der Entwicklungen am Energiemarkt besonders unter Druck stehen müsste. Die Trends der vergangenen zwei Wochen deuten jedoch auf etwas anderes hin. Zwar bewegt sich USD/JPY rasch in Richtung 160, allerdings lagen wir von diesem Niveau ohnehin nicht allzu weit entfernt. In Prozent gerechnet hat der Yen seit Monatsbeginn nur etwas mehr als zwei Prozent gegenüber dem US-Dollar verloren und gegenüber dem Euro sogar leicht zugelegt.“
„Das ist durchaus überraschend, da Öl- und Gasimporte fast drei Prozent der japanischen Wirtschaftsleistung ausmachen. Und das war im vergangenen Jahr, als die Energiepreise niedrig waren. Im Jahr 2022 entsprachen die Importe rund vier Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Sollte der Konflikt anhalten, dürfte dies den Yen noch stärker belasten.“
„Dennoch könnte es in dieser Woche unabhängig davon zu stärkeren Ausschlägen kommen. Zum einen trifft sich die Bank of Japan am Donnerstag zu ihrer zweiten geldpolitischen Sitzung des Jahres. Zwar wird allgemein erwartet – und auch wir gehen davon aus –, dass die Zinsen unverändert bleiben. Der Markt preist derzeit jedoch eine Wahrscheinlichkeit von rund 70 Prozent für eine Zinserhöhung im April ein. Eine klare verbale Zusage könnte diese Einschätzung untermauern und auch den Yen stützen. Typischer für die BoJ wäre es jedoch, sich deutlich zurückhaltender zu äußern. Der Markt könnte daher in der kommenden Woche etwas skeptischer werden, was den Yen belasten würde.“
„Es ist daher gut möglich, dass der Markt in dieser Woche die Marke von 160 bei USD/JPY testet. Interessant wird sein, ob die Regierung in einem solchen Szenario erneut eingreift. Mittelfristig erwarten wir weiterhin einen stärkeren Yen. Vorerst befinden wir uns jedoch klar in der Phase erhöhter Volatilität, mit der wir gerechnet hatten.“