Havanna, 03. Apr (Reuters) - Nach der Ankündigung einer Amnestie hat Kuba am Freitag mit der Freilassung von Häftlingen begonnen. Aus dem Gefängnis La Lima in der Nähe von Havanna kamen am Morgen erste Insassen frei. Dabei handelte es sich nach Recherchen der Nachrichtenagentur Reuters zunächst um Personen, die wegen gewöhnlicher Straftaten wie Diebstahl oder Bestechung verurteilt worden waren, nicht jedoch um Teilnehmer von regierungskritischen Protesten. Die US-Regierung beobachtete nach eigener Darstellung den Vorgang genau. Es sei unklar, ob überhaupt politische Gefangene auf freien Fuß gesetzt würden, teilte sie mit. Washington fordere weiterhin die sofortige Freilassung der nach US-Angaben zu Unrecht inhaftierten Menschen.
Die in Madrid ansässige Kubanische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte, bis Freitagmittag seien keine gewaltlosen politischen Gefangenen entlassen worden. Die kommunistische Führung Kubas hatte die Entlassung von 2010 Gefangenen am Donnerstag als "humanitäre und souveräne Geste" bezeichnet. Es ist die größte Amnestie in dem Karibikstaat seit zehn Jahren. Sie fällt in eine Zeit, in der die USA ihre Gangart gegenüber Havanna massiv verschärft haben. Das Schicksal der politischen Gefangenen gilt als einer der Hauptstreitpunkte in den Verhandlungen zwischen beiden Ländern. Die Regierung in Havanna bestreitet, aus politischen Gründen Menschen einzusperren.