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Russland will Studenten mit hohem Sold in den Drohnen-Krieg locken

ReutersApr 2, 2026 11:11 AM
  • Universitäten versprechen hohe fünfstellige Euro-Summen
  • Aufforderung richtet sich an Studenten technischer Fächer
  • Region Rjasan verordnet Unternehmen Rekrutierungsquoten

- von Andrew Osborn

- Wegen der zunehmenden Bedeutung von Drohnen im Ukraine-Krieg bemüht sich Russland gezielt um die Rekrutierung von qualifiziertem Personal an Universitäten. Studenten werden mit hohen finanziellen Angeboten umworben, sich als Drohnenpiloten oder andere Spezialisten beim Militär einzuschreiben, wie auf den Internetseiten mehrerer Hochschulen zu ersehen ist. Medienberichten zufolge soll der Staat Universitäten Quoten für die Gewinnung von Militärpersonal vorgegeben haben, ähnlich wie sie zum Teil für Unternehmen gelten. Nach Angaben von Kreml-Sprecher Dmitri Peskow richtet sich die Rekrutierungskampagne für die neuen Drohnenstreitkräfte nicht nicht nur an Studenten.

Die Bemühungen im nunmehr fünften Kriegsjahr deuten darauf hin, dass Russland wegen seiner Verluste die Maßnahmen zur Truppenergänzung diversifiziert. In dem Abnutzungskrieg arbeiten Drohnenpiloten beider Seiten zwar meist in einiger Entfernung zur Frontlinie. Aufgrund ihrer wichtigen Funktion gelten sie dennoch als gefährdet - bei der Entdeckung ihrer Positionen werden sie vom Gegner regelmäßig gejagt und getötet. In dem 2022 begonnenen umfassenden Krieg rücken russische Streitkräfte weiter vor, während von den USA angestoßene Friedensgespräche wegen des Iran-Kriegs auf Eis liegen.

Russland hatte Ende vergangenen Jahres auf Geheiß von Präsident Wladimir Putin eine besondere Einheit für den Drohnenkrieg aufgestellt. Peskow sagte am Donnerstag vor Journalisten, Personal werde unter Studenten und in weiteren Bevölkerungskreisen geworben: "Dieses Angebot existiert, es ist, wie man so sagt, auf dem Markt, und gilt für alle gleichermaßen: für Arbeiter, für Studenten, für Arbeitslose und so weiter und so fort", sagte Peskow.

HOHER SOLD UND KEINE STUDIENGEBÜHREN

Der Kreml sieht die gezielte Suche nach Spezialisten nicht als Teil einer allgemeinen Mobilmachung. Ein solcher Schritt stehe nicht auf der Tagesordnung, erklärte die russische Regierung vergangene Woche. Der Vizechef des russischen Sicherheitsrates, Dmitri Medwedew, sagte jüngst staatlichen Medien, das rollierende Rekrutierungssystem funktioniere weiterhin. Im vergangenen Jahr hätten sich mehr als 400.000 Menschen gemeldet, in diesem Jahr seien es bislang über 80.000.

Universitäten wenden sich vor allem an Studenten technischer Fächer wie Ingenieurwesen oder Luftfahrt. Ihnen versprechen die Hochschulen im Falle einer Selbstverpflichtung Zahlungen, die sich umgerechnet auf hohe fünfstellige Euro-Beträge im Jahr summieren. So beziffert die Fernöstliche Föderale Universität in Wladiwostok den Sold im ersten Jahr auf mindestens 5,5 Millionen Rubel (rund 59.000 Euro). Hinzu kommen sollen eine Einmalzahlung von 2,5 Millionen Rubel (27.000 Euro) nach Absolvierung einer kostenlosen Ausbildung sowie eine Monatszulage von 240.000 Rubel (2600 Euro) und eine einmalige Prämie von 200.000 Rubel (knapp 2200 Euro).

Nach einem Jahr Dienst an der Front würden Rückkehrer von Studiengebühren befreit, heißt es weiter. "Dies ist nicht nur eine Gelegenheit, sich zu beweisen, sondern auch eine einzigartige Plattform für den sozialen und beruflichen Aufstieg, die durch beispiellose Unterstützungsmaßnahmen flankiert wird", schreibt die Hochschule in Wladiwostok in einem im März veröffentlichten Dokument.

PLAKAT-KAMPAGNE

Die Staatliche Universität für Bauwesen in Moskau macht auf ihrer Website ähnliche Angebote für angehende Drohnenpiloten, Ingenieure oder technische Spezialisten. Die Staatliche Hydrometeorologische Universität in St. Petersburg verspricht auf ihrer Internetseite Drohnenpiloten im Kriegseinsatz ein Jahreseinkommen von mindestens sieben Millionen Rubel (knapp 76.000 Euro). Flankiert wird die Kampagne an Hochschulen von einer Werbeaktion in den Städten. Plakate zeigen einen jungen Drohnenpiloten mit einer Hightech-Brille unter dem Titel "Die neuen Unverzichtbaren".

Unterdessen verordnete der Gouverneur der Region Rjasan, Pawel Malkow, privaten und öffentlichen Unternehmen Quoten für die Zahl an Mitarbeitern, die Verträge mit dem Verteidigungsministerium unterzeichnen sollen. Firmen mit bis zu 300 Beschäftigten sollen mindestens zwei Rekruten stellen, wie es in einem auf einer Regierungswebsite veröffentlichten und von staatlichen Medien verbreiteten Erlass heißt. Bei bis zu 500 Mitarbeitern sind es drei, bei mehr als 500 Beschäftigten fünf Rekruten.

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