Cape Canaveral/Frankfurt, 02. Apr (Reuters) - Die USA haben erstmals seit mehr als 50 Jahren wieder Menschen zum Mond geschickt. Die 98 Meter hohe Rakete Space Launch System (SLS) hob am Mittwoch um 18.35 Uhr Ortszeit (00.35 Uhr MESZ am Donnerstag) mit vier Astronauten an Bord vom Kennedy Space Center in Florida ab. Die NASA-Astronauten Reid Wiseman, Victor Glover und Christina Koch sowie der Kanadier Jeremy Hansen sollen in der Raumkapsel Orion zunächst die Erde umrunden, bevor sie zu ihrer zehntägigen Reise zum Mond aufbrechen. "Das ist Jeremy, wir fliegen für die ganze Menschheit", sagte Hansen kurz vor dem Start aus der Orion-Kapsel. Sie werden den Mond zwar nicht betreten, sich jedoch bei der Mission "Artemis II" bis zu 406.000 Kilometer von der Erde entfernen - weiter als je ein Mensch zuvor. Den bisherigen Rekord hält mit etwa 400.000 Kilometern die Mannschaft der "Apollo 13", die 1970 nach der Explosion eines Sauerstofftanks nicht wie geplant auf dem Mond landen konnte.
Nach fast drei Jahren Training ist die Crew die erste, die im Rahmen des milliardenschweren "Artemis"-Programms der NASA ins All fliegt. Die Orion-Kapsel soll sich dreieinhalb Stunden nach dem Start von der oberen Stufe der SLS trennen. Die Crew wird dann die manuelle Steuerung übernehmen, um die Manövrierfähigkeit der Kapsel zu testen. Der aktuelle Flug dient vor allem dazu, die kritischen Systeme der Orion zu testen. Hierzu gehören neben den Navigations-, Kommunikations- und Lebenserhaltungssystemen auch der Hitzeschild. Er schützt die Raumkapsel beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre. Die NASA plant die erste bemannte Mondlandung für 2028 mit der Mission "Artemis IV". Es wäre der erste Besuch seit "Apollo 17" im Jahr 1972.
Die Schwerlastrakete SLS wurde von den US-Konzernen BoeingBA.N und Northrop GrummanNOC.N entwickelt. Die Kosten werden auf zwei bis vier Milliarden Dollar pro Start geschätzt. Lockheed MartinLMT.N baut die Orion. Deren Servicemodul, in dem sich der Antrieb der Raumkapsel sowie die Wasser- und Sauerstofftanks für die Mannschaft befinden, wird im Bremer AirbusAIR.PA-Werk montiert. "Das zeigt, dass Raumfahrt Made in Germany wirklich etwas zählt, auch in den USA", sagte Johannes Weppler, Koordinator für das "Artemis"-Projekt beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Das DLR steuert zudem mehrere Messgeräte bei, die in der Orion platziert sind. Sie sollen Erkenntnisse über die körperliche Belastung von Astronauten durch Weltraumstrahlung liefern.
Die USA sind bislang das einzige Land, das Menschen auf einen anderen Himmelskörper gebracht hat. Die "Artemis II"-Mission gilt als entscheidender Schritt der USA, um ihre Führungsrolle im All angesichts des zunehmenden Wettbewerbs mit China zu behaupten. Die Volksrepublik strebt nach einer Reihe unbemannter Landungen bis 2030 eine eigene bemannte Mondlandung an.
Das langfristige Ziel der "Artemis"-Missionen ist der Aufbau einer permanenten Mondstation. Von dort sollen Flüge zum Mars starten. Für 2027 ist "Artemis III" geplant. Dabei soll die Orion-Kapsel in der Erdumlaufbahn an die Mondlandefähren von SpaceX und Blue Origin andocken. Die erste bemannte Landung am unwegsamen Südpol des Mondes im Rahmen der Mission "Artemis IV" ist im Jahr 2028 vorgesehen. Das gesamte "Artemis"-Programm hat seit 2012 mindestens 93 Milliarden Dollar gekostet, schätzen Experten.