Port au Prince, 25. Mrz (Reuters) - Die USA haben eine Belohnung von bis zu drei Millionen Dollar für Informationen über die finanziellen Aktivitäten von Banden in Haiti ausgelobt. Die Regierung in Washington stellte am Mittwoch Informanten zudem eine Umsiedlung in die USA in Aussicht. Die Ermittlungen richten sich gegen die Bündnisse Viv Ansanm und Gran Grif. Diese vereinen Hunderte Banden in der Hauptstadt Port-au-Prince sowie in weiteren Regionen des Landes. Damit setzen die Vereinigten Staaten auf eine neue Strategie. Bislang wurden Kopfgelder auf einzelne Bandenführer ausgesetzt.
Haitianische Sicherheitskräfte haben ihr Vorgehen gegen die bewaffneten Gruppen zuletzt verschärft. Sie werden dabei von einer UN-Truppe und einem privaten US-Militärunternehmen unterstützt. Bislang wurde jedoch kein bedeutender Bandenboss festgenommen. Die kriminellen Gruppen kontrollieren weite Teile der Hauptstadt. Sie finanzieren sich unter anderem durch Erpressung, Entführungen sowie Waffen-, Drogen- und Organhandel. Die meisten Morde werden den Vereinten Nationen (UN) zufolge mit eingeschmuggelten Schusswaffen verübt. Viele davon stammen mutmaßlich aus US-Häfen in Florida und Georgia.
Der Konflikt hat in dem Karibikstaat eine schwere humanitäre Krise ausgelöst. In Haiti kamen seit 2021 fast 20.000 Menschen ums Leben. Die UN schätzten die Zahl der Binnenflüchtlinge Ende vergangenen Jahres auf 1,45 Millionen. Die Hilfsorganisation Mercy Corps veröffentlichte am Mittwoch einen Bericht zur Lage der Vertriebenen in Port-au-Prince. Demnach haben 99 Prozent von ihnen weder Arbeit noch Einkommen. Fast alle fühlen sich in ihren neuen Unterkünften unsicher. Ein Drittel der befragten Frauen gab an, am Zufluchtsort körperliche oder sexuelle Gewalt erfahren zu haben. Die große Mehrheit der Menschen nimmt weniger als zwei Mahlzeiten am Tag zu sich.