Bitcoin unter Druck: Inflation schockt Märkte – droht jetzt der große Absturz?
Bitcoin ist unter die Marke von 77.000 US-Dollar gefallen, nachdem er am gleitenden 200-Tage-Durchschnitt bei rund 82.000 US-Dollar abgeprallt war. Straffere makroökonomische Rahmenbedingungen belasteten zuletzt risikoreichere Anlagen.
Überraschend hohe Inflationsdaten aus den USA mit einer Jahresrate von 3,8 Prozent sowie steigende Ölpreise und höhere Renditen zehnjähriger Staatsanleihen haben die Erwartungen an Zinssenkungen der Federal Reserve gedämpft. Stattdessen preisen die Märkte zunehmend die Möglichkeit einer Zinserhöhung bis Dezember ein, was zusätzlichen Druck auf den Kryptomarkt ausübt.
Abprall am 200-Tage-Durchschnitt nährt Bärenmarkt-Sorgen
Historisch näherte sich Bitcoin mehrfach dem 200-Tage-Durchschnitt, bevor es zu deutlichen Rücksetzern kam – etwa in den Jahren 2014, 2018 und 2022. Laut K33 Research markierte dieses Niveau häufig lokale Hochpunkte. Diese Phasen waren von schnellen Erholungen geprägt, die den Einsatz von Fremdkapital erhöhten, gefolgt von scharfen Verkäufen durch den Abbau von Positionen.
„Dieses Tempo steigert die Risikobereitschaft, lässt die Verschuldung zunehmen und macht den Markt strukturell anfällig für abrupte Rückschläge. Ein zentraler Faktor der folgenden Abwärtsbewegungen war die Auflösung von Positionen, die während der Rally aufgebaut wurden, was aggressive Verkäufe auslöste“, heißt es in dem Bericht.
Allerdings unterscheidet sich der aktuelle Zyklus in einigen Punkten. So benötigte Bitcoin diesmal deutlich länger, um den 200-Tage-Durchschnitt erneut zu erreichen. Zwischen dem Bruch unter diese Marke im November und dem erneuten Test im Mai lagen 189 Tage – im Vergleich zu 96 Tagen im Jahr 2014, 132 Tagen 2018 und 85 Tagen 2022.
Auch Daten aus dem Derivatemarkt stützen diese Einschätzung. Die sogenannten Funding-Raten sind seit 81 Tagen in Folge negativ, während die Schiefe bei Optionen nahe den Jahreshochs liegt. Das deutet eher auf eine defensive Positionierung der Marktteilnehmer hin als auf spekulative Übertreibungen.
Nach Einschätzung von K33 entspricht das aktuelle Marktumfeld eher stabileren Phasen wie im März und April 2025 als klassischen Bärenmarkt-Rallys.
„Wir halten an unserer Einschätzung fest, dass der weniger aggressive Bullenmarkt im Jahr 2025 den Weg für einen moderateren Bärenmarkt im Jahr 2026 ebnet. Unser Basisszenario bleibt, dass die Marke von 60.000 US-Dollar im Februar den maximalen Rückgang dieses Zyklus markiert hat“, ergänzte das Unternehmen.
Das Marktbild bleibt jedoch uneinheitlich. Weltweit verzeichneten börsengehandelte Bitcoin-Produkte in der vergangenen Woche mit 24.303 Bitcoin den größten Mittelabfluss des Jahres. Es handelte sich zugleich um den neunthöchsten Abfluss innerhalb von fünf Handelstagen seit Einführung von US-Spot-ETFs auf Bitcoin.
Laut K33 nahmen die Abflüsse zu, als sich Bitcoin den durchschnittlichen Einstiegskosten der ETFs näherte – ein Niveau, das historisch mit erhöhtem Verkaufsdruck einhergeht. Gleichzeitig kaufte das Unternehmen Strategy 24.869 Bitcoin und glich damit einen Teil der Verkäufe aus.
Breitere Marktindikatoren bleiben verhalten. Das tägliche Handelsvolumen am Spotmarkt liegt im Schnitt bei 2,7 Milliarden US-Dollar, während die Volatilität nahe den Jahrestiefs verharrt.
Langfristige Impulse wie Fortschritte beim CLARITY Act zeichnen sich zwar ab, doch kurzfristig bleibt die Richtung laut Bericht von makroökonomischen Entwicklungen und der Liquidität abhängig.
Das Krypto-Handelshaus Wintermute bestätigte diese Einschätzung. Demnach fiel Bitcoin in der vergangenen Woche um 5,7 Prozent, während Ethereum um 10,2 Prozent nachgab. Gleichzeitig kam es zu Abflüssen aus Bitcoin-ETFs in Höhe von rund einer Milliarde US-Dollar, womit eine sechs Wochen andauernde Phase von Zuflüssen endete.
Das Unternehmen führte den vorherigen Anstieg von Bitcoin über 82.000 US-Dollar vor allem auf den Einsatz von Fremdkapital und das Eindecken von Short-Positionen zurück, nicht auf eine nachhaltige Nachfrage am Kassamarkt. Institutionelle Investoren hätten „in die Stärke hinein verkauft“.
Zum Zeitpunkt der Veröffentlichung am Dienstag notierte Bitcoin bei 76.800 US-Dollar und lag damit binnen 24 Stunden um 0,2 Prozent im Minus.
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