Ifo: Geschäftsklima in Chemieindustrie fällt auf Dreijahrestief
Berlin, 06. Mai (Reuters) - Die Stimmung in der deutschen Chemieindustrie ist angesichts neuer Belastungen durch den Iran-Krieg so schlecht wie seit knapp drei Jahren nicht mehr. Das Geschäftsklima-Barometer für die Branche sank im April auf minus 29,0 Punkte, von minus 25,1 Zählern im März, wie das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch zu seiner Umfrage mitteilte. Ihre aktuelle Geschäftslage schätzten die Unternehmen zwar etwas besser ein als im März. Dagegen brachen die Erwartungen für die kommenden Monate regelrecht ein: Dieses Barometer fiel von minus 18,6 auf minus 30,9 Punkte. "Die Chemiebranche blickt sehr pessimistisch in die Zukunft, trotz vereinzelter Lichtblicke im laufenden Geschäft", sagte Ifo-Branchenexpertin Anna Wolf.
Die aktuellen Turbulenzen in den globalen Lieferketten – ausgelöst durch die Iran-Krise – haben dem Ifo-Institut zufolge im April zu einer paradoxen Entwicklung geführt. Einerseits meldeten Unternehmen einen Anstieg der Auftragseingänge, weil Kunden auf einheimische Produkte ausweichen. Zugleich kämpft jedoch jedes dritte Unternehmen mit Materialknappheit. So sind den Angaben nach die Preise für Chemikalien gestiegen, die Unternehmen erwarteten zudem weitere Preissprünge.
Sie bewerten zudem die gestiegene Nachfrage als vorübergehend: Für die kommenden Monate planen sie wieder mit einer geringeren Produktion, auch die Beschäftigungspläne bleiben restriktiv. "Die schwache Belebung der Geschäftslage im April ist vor allem das Spiegelbild gestörter Lieferketten und nicht eines tragfähigen Aufschwungs", sagte Wolf.
Experten haben wegen des Iran-Kriegs vor Lieferengpässen in der exportstarken Chemiebranche gewarnt. Besonders angespannt ist demnach etwa die Lage bei Cyclohexan, Glycol, Melamin und Methanol. Diese Stoffe werden unter anderem für die Herstellung von Nylon, Klebstoffen und als Lösungsmittel benötigt.
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