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Ökonomen: Deutschland muss sich an Nullwachstum gewöhnen

ReutersApr 1, 2026 10:48 AM

- Die mittelfristigen Aussichten der deutschen Wirtschaft sind wegen der zunehmenden Überalterung der Gesellschaft mau. "Das Potenzialwachstum kommt mittelfristig zum Erliegen", heißt es in einem Gutachten der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute für die Bundesregierung. Hauptgründe dafür: Es fehlen Arbeitskräfte und Produktivitätszuwächse. So werde die Potenzialrate von derzeit schätzungsweise 0,2 Prozent bis zum Ende des Jahrzehnts auf 0,0 Prozent sinken. Ifo-Forscher Timo Wollmershäuser sagte am Mittwoch in Berlin, man müsse sich an Nullwachstum gewöhnen.

Das Potenzialwachstum beschreibt die langfristige Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts bei optimaler Auslastung der Wirtschaft. "Das Arbeitskräftepotenzial sinkt und zwar mit zunehmendem Tempo", so Wollmershäuser. Es gebe weniger Menschen im erwerbsfähigen Alter und eine sinkende Arbeitszeit je Erwerbstätigem. Die Industrie - früher der Motor - schwächele und sorge nicht mehr für Wachstumsschübe. Und es fehlten neue Bereiche, die in die Lücke stoßen könnten.

Neue Schätzungen zur Bevölkerungsentwicklung tragen Wollmershäuser zufolge maßgeblich zum stärkeren Pessimismus bei. Die demografischen Effekte würden stärker negativ durchschlagen. Fachkräfte aus dem Ausland gelten daher als wichtig für die deutsche Wirtschaft. Wirbel hatte es zuletzt um eine Aussage von Kanzler Friedrich Merz gegeben, wonach in den nächsten drei Jahren rund 80 Prozent der Syrer in ihr Heimatland zurückkehren sollten. Wollmershäuser sagte, dies wäre ein weiterer Dämpfer für das Potenzialwachstum. Der Großteil der Gruppe sei gut in den Arbeitsmarkt integriert.

Wegen der mauen Aussichten ist der Reformdruck hoch. "Die große Linie müsste eigentlich sein, dass wir die Staatsausgaben insgesamt auf den Prüfstand stellen", sagte Stefan Kooths vom Kieler Institut für Weltwirtschaft. Die Regierung sollte zudem Wachstumsbremsen lösen, etwa Bürokratie und Berichtspflichten abbauen. Die Merz-Regierung fange spät mit Reformüberlegungen an und müsste jetzt kommunizieren, nach welchen Kriterien sie vorgehen wolle.

Anfang der Woche hatte eine von der Regierung eingesetzte Expertenkommission zur Sanierung der gesetzlichen Krankenversicherung ein Reformpaket im Volumen von rund 42 Milliarden Euro vorgeschlagen. Torsten Schmidt vom Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung sagte, die Einnahmen der Krankenkassen seien im internationalen Vergleich hoch. Hier gebe es Effizienzprobleme. Es könnten beispielsweise Leistungen gestrichen werden, deren medizinische Wirkung fraglich sei.

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