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Institute halbieren Wachstumsprognose - Erwarten deutlich steigende Inflation

ReutersApr 1, 2026 8:00 AM
  • Ökonomen senken BIP-Prognose für 2026 von 1,3 auf 0,6 Prozent
  • 2027 soll es nur noch zu einem Plus von 0,9 Prozent reichen
  • Inflationsrate dürfte auf 2,8 Prozent steigen

- Deutlich weniger Wachstum, dafür mehr Inflation: Wegen der Folgen des Iran-Kriegs senken die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute ihre Prognosen für die deutsche Konjunktur spürbar. Für dieses Jahr rechnen sie nur noch mit einem Anstieg des Bruttoinlandsproduktes von 0,6 Prozent, wie am Mittwoch aus der Gemeinschaftsdiagnose für die Bundesregierung hervorgeht. In der Herbstprognose hatten die Ökonomen noch ein gut doppelt so starkes Plus von 1,3 Prozent erwartet. Für 2027 kappten die Fachleute ihre Vorhersage von 1,4 auf 0,9 Prozent. "Der Energiepreisschock im Zuge des Iran-Krieges trifft die Erholung hart", sagte Timo Wollmershäuser, Konjunkturchef des Münchner Ifo-Instituts. "Gleichzeitig stützt aber die expansive Fiskalpolitik die Binnenwirtschaft und verhindert ein stärkeres Abrutschen."

Das Frühjahrsgutachten trägt den Titel "Energiepreisschock überlagert Fiskalimpuls – Wachstumskräfte versiegen". Der Iran-Krieg treibt die Energiekosten nach oben - deshalb rechnen die Institute mit einer höheren Inflation. In diesem Jahr sollen die Verbraucherpreise im Schnitt auf 2,8 Prozent steigen und 2027 weiter auf 2,9 Prozent. Bislang waren die Ökonomen nur von 2,0 und 2,3 Prozent ausgegangen. Bereits im März kletterte die Inflationsrate auf 2,7 Prozent. Das ist der höchste Wert seit Anfang 2024. "Kaufkraftverluste kosten privaten Konsum", erklärten die Institute. Nach einem spürbaren Anstieg der Ausgaben der privaten Haushalte 2025 um 1,6 Prozent, dürfte es in diesem und im nächsten Jahr nur noch ein leichtes Plus von je 0,4 Prozent geben.

MEHR INFLATION - WENIGER KONSUM - AUSSENHANDEL BREMST

Auch im Euroraum steigen die Preise massiv. Waren und Dienstleistungen verteuerten sich im März um durchschnittlich 2,5 Prozent zum Vorjahresmonat, nach 1,9 Prozent im Februar. Die Europäische Zentralbank (EZB) strebt eine Teuerungsrate von 2,0 Prozent an, die als optimal für die Wirtschaft der 21 Euro-Länder gilt. Damit steigt der Druck auf die EZB, bei ihrer nächsten Sitzung Ende April mit einer Zinserhöhung gegen die anziehende Inflation vorzugehen. Die Wahrscheinlichkeit für einen Zinsanstieg um 0,25 Prozent im April wird an den Finanzmärkten derzeit mit rund 53 Prozent taxiert.

"Die Institute rechnen damit, dass die EZB die Leitzinsen im Prognosezeitraum in drei Schritten um insgesamt 0,75 Prozentpunkte erhöhen wird, sodass der Einlagesatz 2027 bei 2,75 Prozent liegen wird", heißt es im Gutachten.

In den vergangenen Jahren hatte der Außenhandel das Wachstum in Deutschland immer spürbar gebremst. Dieser Effekt dürfte bis 2027 etwas nachlassen, erklärten die Ökonominnen und Ökonomen. Die Exporte dürften aber erst 2027 wieder zum Vorjahr wachsen - und zwar um 1,3 Prozent. Allerdings dürften die Importe mit 2,1 Prozent stärker zulegen, wodurch der gesamte Außenhandel das Wachstum letztlich wieder bremsen dürfte.

Mittelfristig rechnen die Institute damit, dass das Wachstum des Produktionspotenzials in Deutschland von derzeit 0,2 Prozent bis zum Ende des Jahrzehnts ganz zum Erliegen kommt. Neben dem demografiebedingten Rückgang der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter trage dazu die sinkende Arbeitszeit je Erwerbstätigen bei.

Die Frühjahrsprognose dient der Bundesregierung als Basis für ihre neuen Projektionen, die wiederum die Grundlage für die Steuerschätzung bilden. Erstellt wird sie vom Essener RWI, vom Ifo-Institut in München, vom IfW in Kiel, vom IWH in Halle und vom Berliner DIW.

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