26. Mrz (Reuters) - Trotz bislang begrenzter Auswirkungen auf den Finanzsektor im Euroraum ist der Nahost-Krieg laut EZB-Vizechef Luis de Guindos ein Risikofaktor. Er drohe, die Marktstimmung in einer Zeit hoher Vermögensbewertungen zu destabilisieren, warnte er am Donnerstag auf einer Veranstaltung der estnischen Notenbank in Tallinn. Der Konflikt könne womöglich zu einer drastischen Neubewertung des Risikos für hoch verschuldete Kreditnehmer und Staaten führen und überdies Spannungen im Nichtbanken-Finanzsektor verstärken.
De Guindos wies darauf hin, dass etwa 20 Prozent des weltweiten Öl- und Flüssigerdgas-Transports die Straße von Hormus im Golf passieren. "Da der Schiffsverkehr nun praktisch zum Erliegen gekommen ist, stehen wir vor einem Angebotsschock, der voraussichtlich weitreichende Folgen für die Weltwirtschaft und die Finanzstabilität haben wird", sagte de Guindos. Das Ausmaß der Auswirkungen und die Konsequenzen für die Preis- und Finanzstabilität hingen davon ab, wie weit sich der Konflikt ausbreite und wie lange er andauere.
EZB-Chefin Christine Lagarde sieht die Zentralbank in Zeiten des Nahost-Krieges im Kampf gegen die Inflation gut gerüstet. Auf einer Geldpolitik-Konferenz in Frankfurt ließ sie den Zinskurs jüngst allerdings offen. Man sei vorbereitet, falls es Zeit zum Handeln sei, sagte sie und fügte hinzu: "Wir werden nicht handeln, bevor wir ausreichend über Ausmaß, Dauer und Ausbreitung des Schocks informiert sind". Der EZB-Rat tastete den Leitzins von 2,0 Prozent zuletzt nicht an. Die Währungshüter erwarten, dass die höheren Energiepreise im Zuge des Iran-Krieges auf kurze Frist auf die Inflation durchschlagen werden. An den Finanzmärkten wird auf eine nahende Zinserhöhung spekuliert.