Berlin, 26. Mrz (Reuters) - Ein Andauern des Iran-Krieges könnte das deutsche Wirtschaftswachstum in diesem Jahr dem IMK-Institut zufolge fast zum Erliegen bringen. Sollte der Militärkonflikt im Nahen Osten länger anhalten oder weiter eskalieren, würde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) nur um 0,2 Prozent zulegen, wie aus einem am Donnerstag veröffentlichten Risikoszenario des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) hervorgeht. Im nächsten Jahr würde es demnach um 1,4 Prozent nach oben gehen. In seinem Hauptszenario rechnet das gewerkschaftsnahe Institut dagegen mit 0,9 Prozent Wachstum für 2026. Dies setze jedoch voraus, dass der Krieg nicht über den Sommer hinaus dauert und die gestiegenen Energiepreise wieder sinken. Dann könnte die Wirtschaft 2027 um 1,6 Prozent wachsen.
Die Düsseldorfer Ökonomen gehen in ihrem Basiszenario davon aus, dass sich der aktuelle Anstieg der Energiepreise bis zum Jahresende zurückbildet und die positiven Impulse von staatlichen Investitionen und privatem Konsum ab dem zweiten Halbjahr überwiegen. Die Inflation dürfte dann im Jahresschnitt 2026 auf 2,4 Prozent steigen und 2027 auf 1,7 Prozent fallen. In beiden Jahren wäre die Arbeitslosenquote bei unverändert 6,3 Prozent. Im Risikoszenario hingegen würde die Inflation in diesem Jahr auf 3,1 Prozent steigen.
KRIEG KÖNNTE "RISIKO EINER DEINDUSTRIALISIERUNG" VERSCHÄRFEN
Im Dezember hatten die Ökonominnen und Ökonomen des IMK für 2026 noch ein Wirtschaftswachstum von 1,2 Prozent veranschlagt, das erstmals seit Jahrzehnten ohne den traditionellen Schub vom Export auskomme. Der Krieg im Nahen Osten bremse nun eine sich abzeichnende Erholung aus, sagte IMK-Direktor Sebastian Dullien. "Im Februar haben wir noch darüber nachgedacht, die Prognose für 2026 anzuheben, weil zunehmend positive Signale kamen", erklärte Dullien. "Das verhageln nun zumindest zum Teil die wirtschaftlichen Effekte des Kriegs, und schlimmstenfalls verschärfen sie das Risiko einer Deindustrialisierung in Deutschland." Die deutsche Wirtschaft leide unter den Entscheidungen ausländischer Politiker, nicht unter klassischen Standort- oder Wettbewerbsproblemen. Eine Schwächung des privaten Konsums durch innenpolitische Maßnahmen wäre daher kontraproduktiv.
Die Forscher mahnten eine "besonnene Geldpolitik" der Europäischen Zentralbank (EZB) und eine "aktive Wirtschaftspolitik" der Bundesregierung an. Die EZB solle nur bei anhaltenden Engpässen und deutlichen Zweitrundeneffekten die Zinsen erhöhen. Die Regierung müsse sicherstellen, dass die Mittel aus dem Sondervermögen in zusätzliche Investitionen fließen. Als weitere Belastungen nannten die Fachleute die US-Handelspolitik, die starke Aufwertung des Euro und die chinesische Strategie, Importe durch heimische Produkte zu ersetzen.