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SPOTANALYSE-Ökonomen zum gesunkenen Ifo-Geschäftsklima

ReutersMar 25, 2026 9:33 AM

- Der Iran-Krieg drückt die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Unternehmen deutlich. Der Ifo-Geschäftsklimaindex sank im März auf 86,4 Punkte, nach 88,4 Zählern im Februar, wie das Münchner Ifo-Institut am Mittwoch zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte. Dies ist der tiefste Stand seit Februar 2025. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Rückgang auf 86,1 Punkte gerechnet. In ersten Reaktionen hieß es:

THOMAS GITZEL, CHEFVOLKSWIRT VP BANK:

"Wie groß die konjunkturellen Schäden des Energiepreisanstieges letztlich tatsächlich sein werden, hängt entscheidend von der weiteren Entwicklung im Nahen Osten ab. Bei einem raschen Ende des Krieges und einem freien Warenfluss durch die Straße von Hormus blieben die wirtschaftlichen Blessuren überschaubar.

Anders sieht es im Falle einer Eskalation und eines länger anhaltenden Konflikts aus. Dann müsste von deutlichen konjunkturellen Rückschlägen ausgegangen werden. Positiv hingegen ist, dass die Bundesregierung mit ihren höheren Rüstungs- und Infrastrukturausgaben gegensteuert. Die Binnenwirtschaft wird zumindest mit öffentlichen Ausgaben gestützt."

ALEXANDER KRÜGER, CHEFVOLKSWIRT HAUCK AUFHÄUSER LAMPE:

"Die Erwartungen geben merklich nach, weil die gestiegenen Energiepreise den Ausblick belasten. In der Beurteilung der aktuellen Lage ist der Nahost-Konflikt noch nicht richtig sichtbar. Solange Energie- und Rohstoffpreise stark erhöht bleiben, ist der Fiskalimpuls zweitrangig. Entscheidend ist, wann Öl- und Gaslieferungen wieder risikofrei erfolgen können. Bleibt die aktuelle Gemengelage bestehen, hat die Stimmung weiteres Abwärtspotenzial. Dem Nettoenergieimporteur Deutschland geht es deutlich mehr an den Kragen als anderen Ländern.

Bitter ist, dass das schuldenfinanzierte Fiskalpaket durch den Rohölpreisanstieg gehemmt wird. Die dringend benötigte Investitionsoffensive kann in diesem Umfeld kaum einsetzen. Bleiben die Energiepreise hoch oder steigen sie noch, rutscht die Wirtschaft an stagnative Tendenzen heran. Schon jetzt sieht es für 2026 trotz Fiskalimpuls nach einem BIP-Zuwachs von nur 0,9 Prozent aus."

SEBASTIAN WANKE, KFW:

"Der Aufschwung steckt in der Straße von Hormus fest. Die hohen Öl- und Gaspreise sowie potenzielle Lieferschwierigkeiten spiegeln sich in den stark gesunkenen Geschäftserwartungen wider. Die Lagebeurteilung hält sich noch gut. Das ifo Geschäftsklima sieht insgesamt zwar noch passabel aus, und das BIP-Wachstum im ersten Quartal könnte durchaus positiv überraschen. Doch mit jeder Woche, die der Iran-Krieg anhält, wird die Stimmung in der Wirtschaft weiter gedrückt und die Konjunktur wieder ausgebremst."

JÖRG KRÄMER, COMMERZBANK-CHEFVOLKSWIRT:

"Der Einbruch der Ifo-Geschäftserwartungen spiegelt die berechtigten Sorgen der deutschen Unternehmen über den Nahost-Krieg wider. Wenn der Krieg und die Sperrung der Straße von Hormus noch ein, zwei Monate anhielten, wäre der wirtschaftliche Schaden für Deutschland deutlich spürbar. Im übrigen hatte sich der von vielen herbeigesehnte Aufschwung bis kurz vor Ausbruch des Kriegs in den Frühindikatoren noch nicht abgezeichnet, was auch mit der Enttäuschung über das Fehlen tiefgreifender Wirtschaftsreformen zu tun haben dürfte."

JENS-OLIVER NIKLASCH, LBBW:

"Das kommt angesichts der Eskalation am Golf mit dem scharfen Anstieg der Energiepreise nicht überraschend. Die Fortsetzung des verhaltenen Aufschwungs in der deutschen Industrie ist damit erst einmal vom Tisch. Ob sich in den Folgemonaten die Lage den Erwartungen annähert oder umgekehrt, die Erwartungen wieder der robusten Lage Rechnung tragen, wird wohl vor allem davon abhängen, ob die Straße von Hormus geschlossen bleibt oder geöffnet wird und wie stabil dieser Zustand sein wird. Wir rechnen bislang damit, dass die jetzige Lage nicht von Dauer ist und die Durchfahrt durch die Straße im April, spätestens im Mai, wieder möglich sein wird. Aber auch diese Einschätzung muss quasi täglich im Lichte der neuesten Informationen bewertet werden. Ebenso die Frage, wie groß der bis dato eingetretene Schaden für die globale Wirtschaft bereits ist."

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