- von Kate Abnett und Forrest Crellin
Brüssel/Paris, 10. Mrz (Reuters) - Die G7-Staaten haben bei der Entscheidung über eine Freigabe strategischer Ölreserven zunächst auf die Bremse getreten. Die Energieminister der führenden Industriestaaten beauftragten am Dienstag die Internationale Energieagentur (IEA), die Lage zu prüfen, bevor gehandelt werde. Zuvor hatten die Minister über eine Reaktion auf die gestiegenen Energiepreise infolge des Kriegs im Iran beraten. Die IEA teilte mit, sie berufe nun eine außerordentliche Sitzung ihrer Mitgliedstaaten ein, um eine eingehende Bewertung der Lage vorzunehmen.
Alle seien bereit, Maßnahmen zur Stabilisierung des Marktes zu ergreifen, einschließlich der USA, sagte Frankreichs Finanzminister Roland Lescure. "Wir haben die IEA gebeten, Szenarien für eine mögliche Freigabe von Ölreserven auszuarbeiten, wir müssen jederzeit handlungsbereit sein."
Die Ölpreise fielen am Dienstag um sieben Prozent, nachdem sie am Vortag drastisch gestiegen waren. Händler verwiesen auf eine Äußerung von US-Präsident Donald Trump, der ein baldiges Ende des Krieges im Nahen Osten vorhersagte. Dies dämpfte Sorgen vor längeren Unterbrechungen der Öllieferungen.
Bei den europäischen Regierungen weckt die Lage Erinnerungen an die Energiekrise von 2022. Damals schnellten die Preise nach dem russischen Einmarsch in die Ukraine auf Rekordhöhen. Noch am Abend wollten EU-Spitzenpolitiker, darunter Bundeskanzler Friedrich Merz und die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, über die Energiepreise beraten.
EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen verwies auf die Anfälligkeit Europas. "Bei fossilen Brennstoffen sind wir vollständig von teuren und unbeständigen Importen abhängig", sagte sie. Der Abbau der Kernenergie sei zudem ein strategischer Fehler gewesen, sagte sie bei einer Atom-Konferenz. Die EU importiert über 90 Prozent ihres Öls und rund 80 Prozent ihres Gases.