Frankfurt/Berlin, 06. Mrz (Reuters) - Angesichts der noch nicht absehbaren Folgen des Nahost-Kriegs sollte die EZB laut dem niederländischen Notenbankchef Olaf Sleijpen vorerst weiter stillhalten. Beim anstehenden Entscheid am 19. März an der Zinsschraube zu drehen, halte er für verfrüht, sagte das EZB-Ratsmitglied der Nachrichtenagentur Reuters in einem am Freitag veröffentlichten Interview. Die Europäische Zentralbank (EZB) sei geldpolitisch noch immer "gut positioniert". Er habe bereits bei früherer Gelegenheit deutlich gemacht, dass es viele Risiken gebe. Eines dieser Risiken habe sich mit dem Iran-Krieg nun realisiert: "Da wir erst von wenigen Tagen sprechen, ist es noch zu früh, um die langfristigen Auswirkungen auf die Wirtschaft oder die Geldpolitik abzuschätzen."
Auch auf Spekulationen über eine mögliche Zinsanhebung im laufenden Jahr wollte sich Sleijpen nicht einlassen. Auf die Frage, ob die Finanzmärkte mit der Erwartung einer Erhöhung im laufenden Jahr über das Ziel hinausschössen, antwortete der niederländische Notenbankchef: "Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Es hängt sehr davon ab, wie sich die Dinge entwickeln."
Zugleich räumte er ein, dass ihn das solide Wirtschaftswachstum in Zeiten des Zollstreits mit den USA überrascht habe: "Die Euro-Zone hat sich, wie auch die niederländische Wirtschaft, im Vergleich zu unseren Erwartungen vor einem Jahr recht gut entwickelt." Er habe nicht gedacht, dass die Wirtschaft angesichts der Unsicherheiten im Zusammenhang mit den Zöllen so widerstandsfähig sein würde: "Das Wachstumstempo ist zwar nicht berauschend, aber das liegt eher daran, dass das Wachstumspotenzial niedrig ist, was die Geldpolitik nicht ändern kann."