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HINTERGRUND-Was der Iran-Krieg für Wachstum, Inflation und EZB bedeutet

ReutersMar 2, 2026 9:15 AM

- von Rene Wagner

- Mehr Inflation, weniger Wachstum: Der Krieg im Nahen Osten hat enorme wirtschaftliche Folgen - auch für Europa und Deutschland. Je länger der Konflikt im Iran und den benachbarten Golfstaaten dauert, desto größer sind die Auswirkungen in Deutschland und Europa. Nachfolgend Fragen und Antworten dazu:

WARUM IST DIE REGION SO WICHTIG FÜR DIE WELTWIRTSCHAFT?

Das erklärt sich aus dem enormen Ölreichtum der Golfregion. Der Iran allein ist der drittgrößte Produzent der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) mit einem Anteil am weltweiten Ölangebot von etwa 4,5 Prozent. Durch die Straße von Hormus - eine Meerenge im Persischen Golf - werden täglich etwa 17 Millionen Barrel Öl transportiert. Das entspricht etwa 20 Prozent der weltweiten Produktion. Durch dieses Nadelöhr gehen etwa die Ölexporte von Irak, Iran, Kuwait und Saudi-Arabien. Schifffahrtsdaten zeigen, dass mindestens 150 Tanker vor Anker gingen - darunter Öl- und Gastanker. Der Iran erklärte, die Schifffahrt durch die Straße von Hormus sei gesperrt.

WAS BEDEUTET DAS FÜR DIE ÖLPREISE?

Die sind am Montag nach oben geschnellt - um rund zehn Prozent auf 80 Dollar je Barrel für die Nordseesorte Brent. "Die Faustformel lautet: Jede Million Barrel Öl, die pro Tag fehlt, schlägt sich mit etwa zehn US-Dollar im Preis nieder", sagt Analyst Stephan Kemper von Wealth Management BNP Paribas. "Sollte die Straße von Hormus längerfristig blockiert bleiben, sind Szenarien von weit über 120 US-Dollar pro Barrel keine Utopie mehr."

WAS HEISST DAS FÜR DIE INFLATION?

Die dürfte deutlich steigen, sollte der Konflikt sich über Wochen oder gar Monate hinziehen und die Ölpreise hoch bleiben. "In einem solchen Risiko-Szenario würde die Inflationsrate im Euroraum schätzungsweise um mehr als einen Prozentpunkt steigen, also von zuletzt 1,7 auf knapp drei Prozent", erklärt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer. "Das wäre ein spürbarer Verlust an Kaufkraft für die Konsumenten." Die ist für Arbeitnehmer in Deutschland zuletzt zwar wieder merklich gestiegen. Die Reallöhne liegen aktuell aber dennoch knapp unter dem Niveau von 2019 - also vor Ausbruch der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges. Beides hatte die Inflation nach oben getrieben.

WAS HEISST DAS FÜR UNTERNEHMEN?

Ebenfalls nichts Gutes. Dauerhaft hohe Ölpreise können den Transport von Waren spürbar verteuern. Deutschland als Exporteuropameister wäre davon besonders betroffen. Experten erwarten zudem höhere Frachtraten für Tanker, was den Handel ebenfalls verteuern dürfte. Reißen Lieferketten, könnten die Kosten für die Unternehmen noch größer werden. Dazu kommt: Das deutsche Geschäft mit vielen Golfstaaten und ihren Nachbarn brummt, könnte nun aber zumindest unterbrochen werden. 2025 etwa sind die deutschen Warenausfuhren in die Vereinigten Arabischen Emirate um mehr als 17 Prozent auf 11,4 Milliarden Euro gewachsen.

BELASTET DAS DIE KONJUNKTUR?

Ja. Auch hier gilt: Je länger der Konflikt währt, desto größer die Folgen. "Berechnungen der EZB zeigen, dass ein Ölpreisanstieg um zehn Prozent mittelfristig das Potenzialwachstum um 0,2 Prozent drückt", sagt der Chefvolkswirt der VP Bank, Thomas Gitzel. Auch andere Experten rechnen damit, dass ein länger anhaltender Krieg mehrere Zehntel Prozentpunkte an Wachstum kosten dürfte. Da sowohl Deutschland als auch die Euro-Zone nach bisherigen Prognosen in diesem Jahr um etwa ein Prozent wachsen dürften, wäre dies bereits schmerzlich.

STEHT DIE EZB VOR EINEM DILEMMA?

Zumindest auf den ersten Blick. Höhere Ölpreise dürften die Inflation befeuern. Mit höheren Zinsen kann die Europäische Zentralbank (EZB) gegen hohe Ölpreise kaum etwas ausrichten - wenn, dann nur indirekt über einen dadurch steigenden Eurokurs, der Importe verbilligt. Höhere Zinsen könnten jedoch das Wachstum dämpfen, weil dadurch Kredite teurer würden - etwa für Investitionen. "Solange die langfristigen Inflationserwartungen nicht steigen, würde die EZB durch eine höhere Inflation hindurchschauen und sich auf die konjunkturellen Folgen konzentrieren", erwartet Commerzbank-Chefvolkswirt Krämer. Der Leitzins dürfte bei zwei Prozent bleiben, doch bei einer deutlichen Eintrübung konjunktureller Frühindikatoren "wäre auch eine Zinssenkung denkbar".

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