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SPOTANALYSE-Ökonomen zu den wirtschaftlichen Folgen des Iran-Kriegs

ReutersMar 2, 2026 7:22 AM

- Der Krieg im Nahen Osten hat auch wirtschaftliche Folgen. Das sagen Analysten zu den möglichen Auswirkungen:

STEPHAN KEMPER, BNP PARIBAS:

"Die Faustformel lautet: Jede Million Barrel Öl, die pro Tag fehlt, schlägt sich mit etwa zehn US-Dollar im Preis nieder. Sollte die Straße von Hormus längerfristig blockiert bleiben, sind Szenarien von weit über 120 US-Dollar pro Barrel keine Utopie mehr. Dennoch: Panik ist ein schlechter Ratgeber. Historisch gesehen sind Ölpreis-Anstiege nach geopolitischen Schocks oft von kurzer Dauer.

Für Anleger ist entscheidend: Bleibt der Ölpreis dauerhaft hoch oder ist der Anstieg nur kurzfristig? Solange die Ölinfrastruktur in der Region nicht nachhaltig zerstört wird, bietet ein größerer Rücksetzer am Aktienmarkt langfristig orientierten Investoren eine Einstiegschance. Wir beobachten genau, ob die Signale für kurzfristige Verhandlungen zwischen Trump und der neuen iranischen Führung belastbar sind – das wäre der ultimative Gamechanger für eine schnelle Markterholung."

ALEXANDER KRÜGER, CHEFVOLKSWIRT HAUCK AUFHÄUSER LAMPE:

"Der Konflikt um den Iran stürzt die Weltwirtschaft in neue Unsicherheit. Die Rohölversorgung ist gefährdet, Lieferketten geraten unter Druck. Dass die OPEC-Länder bald mehr Öl fördern wollen, wird die Lage kaum beruhigen. Die USA werden eine längere Blockade der Straße von Hormus kaum hinnehmen. Die Dauer des Konflikts ist derzeit völlig offen. Ein Interesse an einem länger anhaltenden Konflikt dürfte seitens der USA nicht bestehen."

JÖRG KRÄMER, COMMERZBANK-CHEFVOLKSWIRT:

"Der Brent-Ölpreis hat bisher relativ moderat auf den Nahost-Krieg und die faktische Schließung der Straße von Hormus reagiert. Dauert der Krieg nur wenige Wochen, wäre die Wirtschaft hierzulande faktisch nicht betroffen. Zöge sich der Krieg dagegen mehrere Monate hin, würde die Inflation im Euroraum wohl mindestens um ein Prozentpunkt steigen und das Wirtschaftswachstum einige Zehntel Prozentpunkte geringer ausfallen. Wir erwarten eher einen kürzeren Krieg."

THOMAS GITZEL, CHEFVOLKSWIRT VP BANK:

"Berechnungen der EZB zeigen, dass ein Ölpreisanstieg um zehn Prozent mittelfristig das Potenzialwachstum um 0,2 Prozent drückt. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommen Berechnungen von Oxford Economics für die US-Wirtschaft. Gegenwärtig liegt der Ölpreisanstieg noch bei unter zehn Prozent, so dass die wirtschaftlichen Folgen begrenzt sind. Risiko wäre also ein deutlicher Ölpreisanstieg bei einem länger anhaltenden Konflikt. In diesem Falle wären die wirtschaftlichen Folgen signifikant.

Derweil werden die Notenbanken an ihrem angeschlagenen Kurs des Abwartens festhalten. Dies gilt für die Fed aber auch für die EZB. Einerseits steigen mit den höheren Ölpreisen die Inflationsgefahren. Andererseits schmälern höhere Kosten an der Tankstelle auch die Konsummöglichkeiten, was wiederum negative wirtschaftliche Folgen hat und über diesen Weg inflationsdämpfend wirkt. Bleibt es bei einem kürzeren Konflikt werden die wirtschaftlichen Folgen jedenfalls begrenzt bleiben."

Haftungsausschluss: Die auf dieser Website bereitgestellten Informationen dienen ausschließlich Bildungs- und Informationszwecken und stellen keine Finanz- oder Anlageberatung dar

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