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Studie: EU im Handels-Spagat zwischen US-Zöllen und China-Abhängigkeit

ReutersFeb 26, 2026 9:42 AM

- Der Europäischen Union drohen durch neue US-Zölle einer Studie zufolge Exportverluste in Milliardenhöhe. Demnach könnten Zölle von zehn Prozent auf Basis eines US-Handelsgesetzes zu jährlichen Einbußen von 54 bis 85 Milliarden Dollar führen, wie aus einer am Donnerstag veröffentlichten Analyse des Kreditversicherers Allianz Trade hervorgeht. Diese Verluste könnten jedoch durch neue Handelsabkommen mit anderen Weltregionen zum großen Teil aufgefangen werden.

"Europa braucht beim Handel dringend mehrere Standbeine, um Schocks abzufedern und Abhängigkeiten zu reduzieren", sagte Ana Boata, Leiterin der Wirtschaftsforschung bei Allianz Trade. Die geplanten Abkommen mit den Mercosur-Staaten und Indien könnten zusammen Exportgewinne von rund 46 Milliarden Dollar einbringen und damit vieles kompensieren. Ein Ausweiten des Freihandels auf die Asean-Staaten in Südostasien würde der Studie zufolge weitere knapp 17 Milliarden Dollar bringen.

Auch die Deutsche Industrie- und Handelskammer (DIHK) betont die Wichtigkeit der noch am Donnerstag erwarteten Ratifizierung des EU-Mercosur-Handelsabkommens in Argentinien. "Es ist für die deutsche Wirtschaft ein dringend benötigtes Signal der Zuversicht in einem zunehmend rauen geoökonomischen Umfeld", erklärte DIHK-Außenwirtschaftschef Volker Treier.

ABHÄNGIGKEIT VON CHINA NIMMT ZU - ALTERNATIVE OSTEUROPA?

Die Analyse zeigt zudem eine wachsende Abhängigkeit von China, insbesondere für Deutschland. Während sich das Handelsdefizit der zehn größten EU-Staaten mit China binnen fünf Jahren auf fast 300 Milliarden Euro verdoppelt hat, hat es sich in Deutschland auf 67 Milliarden Euro fast verfünffacht. "Nirgendwo ist diese Verschiebung so auffällig wie bei China und in keinem europäischen Land ist die Importabhängigkeit so intensiv wie in Deutschland", sagte Milo Bogaerts, Chef von Allianz Trade für Deutschland, Österreich und die Schweiz. Zugleich sei der Handelsüberschuss Deutschlands mit den USA auf 72 Milliarden Euro gestiegen.

Ein Grund für das wachsende Defizit mit China sind Industriegüter. Die Zahl dieser Produkte, bei denen die EU eine kritische Abhängigkeit von China aufweist, ist den Angaben zufolge von 253 im Jahr 2016 auf fast 400 im Jahr 2024 gestiegen. Als Gegenmaßnahme nennt die Studie ein Verlagern der Produktion von China nach Mittel- und Osteuropa. Dies hätte demnach nur minimale Auswirkungen auf die Inflation, könnte das Bruttoinlandsprodukt der Eurozone jedoch leicht steigern.

Der Oberste Gerichtshof in den USA hatte einen Großteil der auf einem Notstandsgesetz basierenden Zölle von US-Präsident Donald Trump für unrechtmäßig erklärt. Doch auf einer neuen Rechtsgrundlage sind inzwischen neue Zölle in Kraft getreten. Wie jüngst aus einer Mitteilung der Zollbehörde CBP hervorging, gelten zunächst zusätzlich zehn Prozent für alle Importe, sofern sie keinen Ausnahmen unterliegen. Unklar ist, wann der Satz auf 15 Prozent erhöht werden soll, den Trump für einige Länder angekündigt hatte.

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