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SPOTANALYSE-Volkswirte zum gestiegenen Ifo-Index

ReutersFeb 23, 2026 9:26 AM

- Die Stimmung in den Chefetagen der deutschen Unternehmen hellt sich etwas stärker auf als gedacht. Der Ifo-Geschäftsklimaindex stieg im Februar auf 88,6 Punkte, nach 87,6 Zählern im Januar, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten nur mit einem Anstieg auf 88,4 Punkte gerechnet. Sie sagten in ersten Reaktionen:

JÖRG KRÄMER, CHEFVOLKSWIRT COMMERZBANK:

"Der deutliche Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas ist ein positives Signal – wie auch die jüngste Erholung des Einkaufsmanagerindex. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass das Ifo-Geschäftsklima anders als in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres noch nicht klar nach oben zeigt. Das Ausbleiben der notwendigen breiten Wirtschaftsreformen belastet die Stimmung. Rüstungsaufträge allein machen noch keinen Aufschwung. Alles in allem deuten die Daten lediglich auf eine moderate Erholung der deutschen Wirtschaft."

ROBIN WINKLER, DEUTSCHLAND-CHEFVOLKSWIRT DEUTSCHE BANK:

"Der Ifo-Geschäftsklimaindex zieht im Februar noch kräftiger an als an den Finanzmärkten erwartet, wie auch schon der Einkaufsmanagerindex am vergangenen Freitag. Wir sehen immer deutlichere Anzeichen, dass die Konjunktur ordentlich Schwung aufnimmt. Wir bleiben bei unserer Prognose, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr stärker wachsen dürfte als allgemein erwartet wird."

JENS-OLIVER NIKLASCH, LBBW:

"Die Zahlen untermauern die Trendwende in der Industrie. Natürlich darf an dieser Stelle der Disclaimer nicht fehlen, dass die jüngsten Zolleskapaden des US-Präsidenten belasten dürften. Dennoch stellen wir fest, dass zusammen mit den Aufträgen und der Produktion auch die Frühindikatoren allmählich an Boden gewinnen. Es wäre daher verfehlt, das Bild für die deutsche Wirtschaft schwärzer zu malen als es ist. Die Prognostiker erwarten nicht ohne Grund mehrheitlich ein BIP-Wachstum von rund 1 Prozent für das laufende Jahr nach drei Jahren des Stillstands. Auf der anderen Seite ist diese Erholung rein konjunkturell – der Rückenwind kommt von der Fiskalpolitik sowie der im Vorjahr vollzogenen Lockerung der Geldpolitik. Über die Strukturprobleme der deutschen Wirtschaft geben weder das Ifo-Geschäftsklima noch die Monatsdaten zur Produktion Auskunft."

ALEXANDER KRÜGER, CHEFVOLKSWIRT HAUCK AUFHÄUSER LAMPE:

"Es scheint ein weiteres Indiz für ein Konjunkturerwachen vorzuliegen. Lage und Erwartungen bessern sich, wozu der gewachsene Auftragsbestand beigetragen haben dürfte. Das Fiskalpaket zeigt also erste positive Wirkungen. Eine grundlegende Stimmungsverbesserung ist aber noch nicht festzustellen. US-Zölle, chinesische Dumpingpreise und schwierige Standortbedingungen bleiben eine Belastung. Unternehmen dürften Kapazitäten daher vorerst nur besser auslasten statt diese zu erweitern. Bis zu einer richtig tragenden Investitionsoffensive ist der Weg also noch weit. Solange sich die aktuelle Lage nicht merklich bessert, ist die Konjunkturerholung wackelig."

SEBASTIAN WANKE, KFW:

"Angesichts des starken Auftragseingangs im Verarbeitenden Gewerbe war ein Anstieg des Ifo-Geschäftsklimas überfällig. Im Januar hatten die Grönland-Wirren sicherlich noch auf die Stimmung gedrückt. Auch dauert es, bis die Großorders von Ende 2025 sich in der Breite der Wirtschaft, die der Ifo-Index widerspiegelt, bemerkbar machen. Mit dem heutigen Datenpunkt ist es wieder ein Stück wahrscheinlicher geworden, dass sich Deutschland gerade für den Aufschwung rüstet."

THOMAS GITZEL, CHEFVOLKSWIRT VP BANK:

"Die vom Ifo-Institut befragten Unternehmen blicken im Februar optimistischer in die Zukunft. Dies passt ins Bild, schließlich kam es zuletzt zu einer Reihe von positiven Nachrichten für die deutsche Wirtschaft. Dazu gehört vor allem der überraschend starke Anstieg der Auftragseingänge."

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