
Die neuen US-Inflationsdaten sorgen für Aufsehen an den Märkten. Analysten von UBS sehen Hinweise darauf, dass der zollgetriebene Preisdruck bei US-Waren seinen Höhepunkt überschritten haben könnte. Wenn das stimmt, könnte die Federal Reserve schon bald wieder die Zinsen senken. Anleger fragen sich: Kommt die Trendwende schneller als gedacht?
Der US-Verbraucherpreisindex (CPI) stieg im Januar nur um 2,4 % – weniger als viele Experten prognostiziert hatten. Diese Zahl befeuerte umgehend Spekulationen, dass die Fed den Zeitpunkt der nächsten Zinssenkung vorziehen könnte. Plötzlich steht wieder der Juni im Raum.
Noch zu Wochenbeginn hatte ein extrem starker Arbeitsmarktbericht die Erwartungen gedämpft. Viele Marktteilnehmer gingen davon aus, dass die Notenbank erst in der zweiten Jahreshälfte lockern würde. Der robuste Jobmarkt schien gegen schnelle Zinssenkungen zu sprechen.
Offiziell bleibt die Lage heikel. Die Inflation liegt weiterhin über dem 2-%-Ziel der Fed. Zahlreiche Währungshüter dürften deshalb vorsichtig bleiben. Doch laut UBS-Strategen um Mark Haefele und Vincent Heaney könnten sich die Preissteigerungen in den kommenden Monaten deutlicher abschwächen.
Ein entscheidender Punkt: Nicht nur die Gesamtinflation zählt, sondern vor allem deren Zusammensetzung.
Besonders aufmerksam blicken die Analysten auf die sogenannte Shelter-Inflation – also die Entwicklung der Wohnkosten. Dass sich dieser traditionell träge Bereich zunehmend stabilisiert, gilt als starkes Signal für einen fortgesetzten Disinflations-Trend.
Warum das wichtig ist: Wohnen ist eine der größten Komponenten im CPI. Dreht dieser Block nach unten, verändert sich oft die gesamte Inflationsdynamik.
Zusätzliche Brisanz erhält die Debatte durch Aussagen von Philip Jefferson, Vizechef der Fed. Er rechnet damit, dass sich der Disinflationsprozess 2026 fortsetzt – unterstützt durch starkes Produktivitätswachstum.
Produktivität wirkt wie eine Inflationsbremse. Steigt sie, können Unternehmen wachsen, ohne dass Kosten und Preise im gleichen Tempo explodieren.
Auch die psychologische Komponente scheint sich zu entspannen. Neue Umfragen der University of Michigan sowie der New York Fed deuten auf verbesserte Inflationserwartungen der Konsumenten hin.
Für Zentralbanken ist das ein kritischer Faktor. Denn dauerhaft hohe Inflationserwartungen können Preissteigerungen verfestigen. Entspannen sich diese Erwartungen, sinkt der Druck auf die Geldpolitik.
Ein weiterer Treiber für Zinssenkungsfantasien könnte die personelle Entwicklung an der Fed-Spitze sein. Donald Trump, aktueller US-Präsident, hat Kevin Warsh als möglichen Nachfolger von Jerome Powell ins Spiel gebracht.
Warsh betonte zuletzt, dass höhere Produktivität helfen könne, Preissteigerungen zu dämpfen. Beobachter werten das als Hinweis auf eine tendenziell lockerere geldpolitische Haltung.
Die UBS-Analysten ziehen daraus eine konkrete Erwartung: Die Fed bleibe auf Kurs für weitere Lockerungen. Zwischen Juni und September rechnen sie mit zwei Zinssenkungen um jeweils 25 Basispunkte.
Das Umfeld wäre laut UBS günstig für Aktien, Anleihen und Gold.
Die Januar-Daten haben die Debatte neu entfacht. Wenn der zollgetriebene Inflationsschub tatsächlich abebbt, die Wohnkosten weiter nachgeben und die Inflationserwartungen stabil bleiben, könnte die Fed schon zur Jahresmitte wieder handeln.
Noch ist Vorsicht angebracht. Die Inflation liegt über Ziel, der Arbeitsmarkt bleibt stark. Doch die Signale verdichten sich. Für Anleger bedeutet das: Die Zinsfrage wird wieder zum zentralen Kurstreiber. Wer jetzt genau hinschaut, könnte einen entscheidenden Vorteil haben.