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SPOTANALYSE-Ökonomen zum kräftigsten Anstieg der Industrieaufträge seit 2 Jahren

ReutersFeb 5, 2026 7:52 AM

- Die deutsche Industrie hat im Dezember überraschend den vierten Monat in Folge mehr Aufträge erhalten. Das Neugeschäft wuchs um 7,8 Prozent im Vergleich zum Vormonat, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag mitteilte. Das ist das größte Plus seit Dezember 2023. Das kommt völlig überraschend: Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hatten mit einem Rückgang von 2,2 Prozent gerechnet. In ersten Reaktionen hieß es:

JÖRG KRÄMER, CHEFVOLKSWIRT COMMERZBANK:

"Die Auftragseingänge sind im Dezember erneut kräftig gestiegen, obwohl der Vormonat bereits durch ungewöhnlich viele Großaufträge aufgebläht war. Auch ohne die stark schwankenden Großaufträge sind die Orders erneut gestiegen. Hier zeichnet sich langsam eine Erholung ab. Aber man sollte bedenken, dass das wichtige Ifo-Geschäftsklima in den zurückliegenden Monaten tendenziell gesunken ist. Noch signalisieren die Frühindikatoren keine klare Erholung, die wegen des fehlenden Neustarts in der Wirtschaftspolitik ohnehin moderat ausfallen dürfte."

SEBASTIAN DULLIEN, WISSENSCHAFTLICHER DIREKTOR IMK-INSTITUT:

"In den kommenden Monaten dürften Rüstungsbestellungen zu weiter steigenden Auftragseingängen führen. Der Bundestag hatte im Dezember Rüstungsbeschaffungen im Umfang von rund 50 Milliarden Euro beschlossen, die nun nach und nach umgesetzt werden. Allerdings ist die Erholung nicht mehr nur alleine von öffentlichen Aufträgen und Großaufträgen getrieben. Auch die Aufträge aus dem Ausland legten kräftig zu, ebenso wie die Bestellungen jenseits der Großaufträge. Hier zeigt sich, dass der finanzpolitische Impuls durchaus in der Lage sein dürfte, eine breitere Erholung anzustoßen.

Insgesamt dürfte 2026 deutlich besser für die deutsche Industrie werden als 2025. Neben steigenden Staatsausgaben für Rüstung dürfte auch der Anstieg bei Infrastrukturinvestitionen der Industrie mehr Aufträge bescheren. Insgesamt dürfte das deutsche Bruttoinlandsprodukt 2026 um 1,2 Prozent wachsen, nach 0,2 Prozent 2025. Die Industrie wird dabei allerdings – anders als in früheren Erholungsphasen und trotz der positiven Zahlen zum Jahresende 2025 – nicht Wachstumstreiber sein."

MICHAEL HERZUM, LEITER VOLKSWIRTSCHAFT UNION INVESTMENT:

"Der Aufwind straft Konjunkturpessimisten Lügen. Der Aufwärtstrend ist etabliert, der Auftragsbestand steigt, und der Ausblick für die Industrieproduktion hellt sich auf. In den gestiegenen Auftragseingängen spiegeln sich die ersten Effekte der höheren Fiskalausgaben wider, die insbesondere der Rüstungsindustrie zugutekommen. Außerdem ist in den Daten nicht enthalten, wie sehr sich steigende staatliche Investitionen im Bereich Infrastruktur schon jetzt auf die Auftragslage im wichtigen Bausektor auswirken.

Mit dem erneuten Anstieg der Bestellungen hat sich der Ausblick für die Produktion noch weiter verbessert, und die Industrie dürfte in diesem Jahr wieder zum Wachstumsträger werden. Deutschland holt gegenüber den europäischen Nachbarn beim Wachstum auf."

JENS-OLIVER NIKLASCH, LBBW:

"Ein Auftragsboom zum Jahresende. Wer hätte das gedacht? Zwar gab der Sonderfaktor Großaufträge den Ausschlag für den gewaltigen Anstieg. Aber auch der um Großaufträge bereinigte Auftragseingang legte erneut zu. Das sieht jetzt wirklich sehr stark nach Trendwende aus. Wir haben erstmals seit längerer Zeit Grund für Zuversicht. Zumindest die Prognose, dass das BIP im laufenden Jahr um rund ein Prozent zulegen wird, scheint realistisch."

ALEXANDER KRÜGER, CHEFVOLKSWIRT HAUCK AUFHÄUSER LAMPE:

"Lange ruhte der See still, jetzt läuft das Wasser über. Der erneut kräftige Auftragszuwachs ist das Resultat von Großaufträgen. Ohne Großaufträge wäre der Auftragszuwachs deutlich geringer gewesen. Die Auftragsentwicklung hat an Breite gewonnen, das ist erfreulich. Die Anzeichen mehren sich, dass es industriell aufwärts geht. Für mehr Produktion kommt es jetzt darauf an, dass die Aufträge auch zügig abgearbeitet werden."

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