
Berlin, 26. Jan (Reuters) - Die bundesweiten Sparkassen rechnen für die deutsche Wirtschaft 2026 mit einem moderaten Wachstum von einem Prozent. Nach drei Jahren des Stillstands zeichne sich damit eine leichte Erholung beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) ab, sagte der Präsident des Deutschen Sparkassen- und Giroverbands (DSGV), Ulrich Reuter, am Montag in Berlin. "Gleichzeitig bleibt der Aufschwung fragil", warnte Reuter und betonte bei der Vorstellung der Konjunkturprognose des Verbandes: "Ein erheblicher Anteil kommt aus staatlichen Sonderausgaben – und damit aus einer Sonderkonjunktur, die strukturelle Probleme nicht löst."
So entfalle ein Teil des Wachstums auf das Finanzpaket der Regierung für Infrastruktur und Klimaneutralität sowie auf Mehrausgaben für die Verteidigung. "Im laufenden Jahr könnten 0,4 Prozentpunkte des erwarteten BIP-Wachstums darauf zurückgehen", sagte Timo Plaga, Chefvolkswirt der Sparkasse Hannover. Er hat die Prognose mit neun weiteren Chefvolkswirten der Finanzgruppe erstellt.
Reuter forderte zudem neue internationale Partnerschaften. Das drohende Scheitern des Mercosur-Abkommens mit südamerikanischen Ländern sei ein "herber Schlag". Es würde eine Freihandelszone mit mehr als 700 Millionen Einwohnern schaffen. "In diesen Zeiten braucht es Zeichen der europäischen Handlungsfähigkeit. Deshalb wäre es richtig, das Abkommen vorläufig anzuwenden", sagte der Sparkassen-Präsident.
Als weitere Herausforderung nannte Reuter hausgemachte Standortprobleme. Die Politik müsse bürokratische Hemmnisse abbauen und Genehmigungsprozesse beschleunigen. Zudem bremsten marode Straßen und Brücken sowie veraltete Energie- und Kommunikationsnetze die Unternehmen. Gleichzeitig seien die Grundlagen für einen starken Wirtschaftsstandort vorhanden.
Nach zwei Rezessionsjahren war die Wirtschaft 2025 minimal um 0,2 Prozent gewachsen. Auch die meisten anderen Institute und Organisationen trauen der Wirtschaft 2026 rund ein Prozent Wachstum zu - aber nur dank Rückenwind durch das Fiskalpaket.