
Berlin, 26. Jan (Reuters) - Die Stimmung in den Führungsetagen der deutschen Unternehmen bleibt zum Jahresanfang gedämpft. Der Ifo-Geschäftsklimaindex verharrte im Januar auf dem Vormonatswert von 87,6 Punkten, wie das Münchner Ifo-Institut am Montag zu seiner Umfrage unter rund 9000 Führungskräften mitteilte. Von der Nachrichtenagentur Reuters befragte Ökonomen hingegen hatten mit einem Anstieg auf 88,2 Zähler gerechnet. Sie sagten in ersten Kommentaren:
ANDREAS SCHEUERLE, DEKABANK:
"Zwar konnte eine Bruchlandung der Unternehmensstimmung aufgrund der Rücknahme der Zolldrohung durch die USA vermieden werden, doch sie scheint Spuren hinterlassen zu haben. Spätestens jetzt wird klar, dass die USA Zölle nicht mehr nur zur Erreichung ökonomischer Ziele einsetzen, sondern zunehmend auch, um (geo-)politische Positionen durchzusetzen. Unsicherheit ist die Folge. Die Hoffnungen ruhen damit einmal mehr auf den von der Bundesregierung in Aussicht gestellten Reformen. Angesichts der anhaltenden geopolitischen Spannungen werden diese umso notwendiger und damit auch wahrscheinlicher."
JÖRG KRÄMER, CHEFVOLKSWIRT COMMERZBANK:
"Nach zwei Rückgängen in Folge hatten die meisten Volkswirte für Januar mit einer Erholung des Ifo-Geschäftsklimas gerechnet. Dass diese ausblieb, ist eine Enttäuschung. Anders als in der ersten Hälfte des vergangenen Jahres weist der Trend beim Ifo-Geschäftsklima nicht mehr nach oben. Das gilt auch für den Einkaufsmanagerindex und dürfte vor allem daran liegen, dass viele Unternehmen über das Ausbleiben breit basierter Reformen enttäuscht sind. Das Fiskalpaket der Bundesregierung fällt deshalb nicht auf fruchtbaren Boden. Die Wirtschaft dürfte sich in diesem Jahr nur zögerlich erholen."
JENS-OLIVER NIKLASCH, LBBW:
"Quasi eine Nullnummer zum Jahresauftakt. Das ist schon etwas enttäuschend. Die meisten anderen Indikatoren für die deutsche Konjunktur waren zuletzt eher im Vorwärtsgang.
Aber es hat keinen Sinn, über die heutigen Zahlen zu klagen. Die Lage der gewerblichen Wirtschaft ist, wie sie ist, und sie ist nicht gut. Man sollte daher auch in den kommenden Wochen wieder mit möglichen Enttäuschungen für die Konjunkturdaten rechnen, nachdem es seit Jahresbeginn viele positive Überraschungen gab."
ALEXANDER KRÜGER, CHEFVOLKSWIRT HAUCK AUFHÄUSER LAMPE:
"Gemessen an den immensen Schuldenplänen der Politik ist das eine Enttäuschung. Die Lagebeurteilung bleibt schlecht, die Erwartungen profitieren vom Fiskalpaket bisher nicht. Selbst bei der Sicht durch die rosarote Brille ist die Konjunkturlage weiter ernst. Für eine echte Aufbruchsstimmung muss das Geschäftsklima endlich klettern, und das deutlich. Der Glaube an eine Investitionsoffensive bleibt wegen schwieriger Standortbedingungen schwach."