
Berlin, 22. Jan (Reuters) - Der Direktor des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, hält nichts von einer Rückholung des Bundesbank-Goldes aus den USA. "Logistisch wäre eine Rückholaktion nicht sehr kompliziert. Die Frage ist nur, was man davon hätte: Aus geldpolitischen Gründen kann es sinnvoll sein, das Gold für bestimmte Transaktionen in den USA zu belassen", sagte Hüther der "Rheinischen Post" (Donnerstagsausgabe). Am Ende spare die Bundesbank allenfalls ein wenig an den Lagerkosten: "Trump beeindrucken wird man damit sicher nicht", fügte der Direktor des arbeitgebernahen Instituts hinzu. Der von US-Präsident Donald Trump losgetretene Konflikt um die Zukunft Grönlands hatte eine Debatte über den Umgang mit den deutschen Goldvorräten in den Vereinigten Staaten ausgelöst.
Der IW-Chef mahnte, die EU sollte den Streit mit den USA zum Anlass nehmen, sich beim Zahlungsverkehr strategisch unabhängiger aufzustellen. "Stand heute sind wir vollständig abhängig von den US-Anbietern Visa und Mastercard und damit erpressbar. Wir brauchen dringend Alternativen", mahnte Hüther. Die Einführung des digitalen Euro oder eine privatwirtschaftliche Lösung seien deshalb geopolitisch wichtig.
Die Bundesbank verfügt mit 3352 Tonnen über den zweitgrößten Goldschatz der Welt nach den USA (Stand: Ende 2024). Sein Wert lag zum Jahresende 2024 bei 270,6 Milliarden Euro, seither ist der Goldpreis deutlich gestiegen: 1236 Tonnen Gold lagern in den Hochsicherheitstresoren der Federal Reserve Bank in New York. Der Abzug der deutschen Goldreserven aus den USA sei derzeit für die Bundesregierung kein Thema, sagte Regierungssprecher Stefan Kornelius jüngst in Berlin. Bundesbankchef Joachim Nagel hatte am Rande der Jahrestagung des IWF in Washington im Oktober die "hervorragenden Lagerbedingungen" für Gold bei der regionalen Notenbank in New York gelobt.