
Berlin, 19. Jan (Reuters) - Ifo-Präsident Clemens Fuest rät Deutschland und der EU im neu entfachten Zollkonflikt mit den USA zu einer zweigleisigen Strategie. "Erstens Gegenmaßnahmen ankündigen, falls die USA die Zölle wirklich einführen", sagte der Chef des Münchner Instituts am Montag der Nachrichtenagentur Reuters. "Zweitens aber Verhandlungen vorschlagen." Darin könne man klarmachen, dass die Übernahme von Grönland durch die USA keine Option sei. Zugleich könne angeregt werden, gemeinsam im Rahmen der Nato eine bessere Absicherung Grönlands zu organisieren.
Nach Ansicht von ZEW-Präsident Achim Wambach wäre die EU gut beraten, sich auf mögliche Eskalationsszenarien vorzubereiten, aber nicht vorschnell Maßnahmen zu ergreifen. "Eine Zollerhöhung durch die USA würde eine weitere Zuspitzung des Handelsstreits bedeuten", sagte der Präsident des Mannheimer Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW). "Die entsprechende Antwort der EU darauf sind Gegenzölle." Das sogenannte Anti-Coercion-Instrument sollte vorsorglich vorbereitet werden, falls sich die Lage weiter verschärfe. Dieses erlaube etwa, US-Firmen von öffentlichen Aufträgen in der EU auszuschließen.
Der von US-Präsident Donald Trump ausgelöste Handelskonflikt belastet die deutsche Wirtschaft bereits jetzt, deren wichtigster Exportkunde die USA sind. "Die bislang bereits von Trump verhängten US-Zölle reduzieren das Wirtschaftswachstum in Deutschland um schätzungsweise 0,6 Prozentpunkte", sagte Fuest und fügte mit Blick auf eine weitere Zuspitzung hinzu: "Dieser Effekt würde deutlich stärker ausfallen." Die Wirkung hänge dann auch davon ab, ob die neuen Zölle für alle Produkte gelten oder ob es Ausnahmen gebe, beispielsweise für den Pharmasektor.
Präsident Trump hatte am Wochenende angekündigt, zehn Prozent zusätzliche Einfuhrzölle auf Waren aus Deutschland und anderen europäischen Ländern zu erheben, solange den USA der Kauf der zu Dänemark gehörenden Arktisinsel Grönland verwehrt werde.