Investoren fühlen SAP zu KI-Strategie auf den Zahn
Frankfurt, 05. Mai (Reuters) - Die Umbrüche durch den Vormarsch Künstlicher Intelligenz (KI) haben die Diskussionen auf der Hauptversammlung von SAPSAPG.DE geprägt. "Womit verdient SAP im Jahr 2030 sein Geld", fragte Christiane Hölz, die Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), am Dienstag. Linus Vogel von der DekaBank bemängelte, der KI-Strategie des Walldorfer Softwarekonzerns fehle ein roter Faden. "Derzeit wirkt manches noch wie Versuch und Irrtum."
SAP will die Gebühren künftig stärker vom KI-Einsatz abhängig machen, weil immer mehr Aufgaben automatisiert werden und damit die Zahl der menschlichen Nutzer tendenziell sinkt. Etwa 60 Prozent der Cloud-Erlöse basiere bereits auf wert- und verbrauchsorientierten Kennzahlen, betonte SAP-Chef Christian Klein. Dieser Anteil werde weiter steigen. Das Unternehmen folge damit einem Branchentrend, sagte Marcel Tietjen, Technologie-Experte der Beratungsfirma BearingPoint. Die Idee sei zwar nicht neu, werde durch Automatisierung und KI aber ökonomisch zwingend.
Sorgen vor Konkurrenz durch KI-Entwickler wies Klein erneut zurück. "Wir sehen keine negativen Auswirkungen." BearingPoint-Experte Tietjen bezeichnete die Spekulationen über ein Verschwinden klassischer Unternehmenssoftware als überzogen. "Wer glaubt, komplexe Geschäftslogiken, regulatorische Anforderungen und gewachsene Systemlandschaften ließen sich durch KI-Oberflächen ersetzen, unterschätzt die Realität großer Organisationen."
Der KI-Entwickler Anthropic hatte mit der Veröffentlichung von Zusatzmodulen für sein Sprachmodell "Claude" Fragen nach der Zukunft traditioneller Firmensoftware aufgeworfen. Einige Anleger zogen sich daraufhin bei SAP und anderen Anbietern zurück. Im Vergleich zu ihrem Rekordhoch vom Februar 2025 haben die Titel des Walldorfer Konzerns etwa die Hälfte ihres Wertes eingebüßt.
Für weitere Unternehmensnachrichten im Kurzformat - Klick auf FIRMEN-BLICK
Empfohlene Artikel









