HINTERGRUND-Trumps jüngste Zolldrohung belastet deutsche Autobauer
- von Ilona Wissenbach
Frankfurt, 04. Mai (Reuters) - Die angekündigte Erhöhung der US-Zölle auf Autoimporte könnte die deutschen Hersteller teuer zu stehen kommen. US-Präsident Donald Trump hatte am Freitag über einen Post auf seiner Plattform "Truth Social" eine Anhebung der Einfuhrabgabe auf Autos und Lkw aus der Europäischen Union von 15 auf 25 Prozent angedroht, die auf den früheren Zoll von 2,5 Prozent draufgeschlagen werden. Die Analysten von Bernstein Research und der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer schätzen den zusätzlichen negativen Effekt auf das Betriebsergebnis von BMWBMWG.DE, Mercedes-BenzMBGn.DE und des VolkswagenVOWG.DE-Konzerns auf insgesamt rund 2,5 Milliarden Euro. Die Summe käme Dudenhöffer zufolge zu bisher anfallenden 3,6 Milliarden Euro im Jahr hinzu. Die Autobauer versuchten vermutlich, einen Teil der Zölle über höhere Preise an die Kunden weiterzugeben, erklärten die Branchenkenner am Montag.
Die Chefin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), Hildegard Müller, warnte, die zusätzlichen Zölle bedeuteten enorme Kosten für die deutsche und europäische Autoindustrie. Die Ausfuhren an den wichtigsten Exportmarkt der deutschen Autobauer waren 2025 nach Daten des VDA um neun Prozent auf gut 409.000 Fahrzeuge gesunken. In Branchenkreisen hieß es, bisher sei auf Trumps Drohung, schon in dieser Woche mehr Zoll zu verhängen, keine formelle Verordnung der US-Regierung gefolgt. Nach den Erfahrungen mit dem Hin und Her in Sachen Zölle im vergangenen Jahr gelte es, zunächst abzuwarten. Auch Rico Luman, Volkswirt von ING Research, betrachtet Trumps Vorstoß als Verhandlungstaktik gegenüber der Europäischen Union, die den Zolldeal mit den USA noch nicht umgesetzt hat. "Wir haben bereits mehrfach erlebt, dass bei der tatsächlichen Umsetzung ein Rückzieher gemacht wurde."
GEWINNWARNUNGEN ERWARTET
Die Sorge über weitere Belastungen für die Autoindustrie, die ohnehin schon mit harter Konkurrenz in China und dem kostspieligen Umstieg auf Elektroautos kämpft, ließ die Aktienkurse am Montag um zwei bis drei Prozent sinken. Sollten die Zölle steigen, werde es Gewinnwarnungen hageln, warnte der Autoexperte Matthias Schmidt. "Das ist ein harter Schlag für die deutschen Premiumhersteller, die sich erst noch an das erhöhte Zollniveau anpassen müssen." Im vergangenen Jahr hatte Trump die Abgabe zunächst von 2,5 Prozent auf 27,5 Prozent erhöht, um nach einer Vereinbarung mit der Europäischen Union ab August auf 15 Prozent Zusatzzoll herunterzugehen. Nun kritisierte er, dass die EU ihren Teil der Vereinbarung, Autos aus den USA zollfrei nach Europa zu lassen, nicht einhalte.
Audi, BMW und Mercedes-Benz habe die Zollpolitik unter Trump 2025 etwa einen Prozentpunkt Gewinnspanne gekostet, sagte Schmidt. Die Unternehmen wollen sich zur jüngsten Volte des US-Präsidenten nicht über die Stellungnahme des VDA hinaus äußern. Vergleichsweise hart getroffen würde PorscheP911_p.DE: Die Schwaben produzieren ebenso wie Audi nicht in den USA und müssen alles einführen. Die VW-Sportwagentochter ging bei einem Niveau von 15 Prozent Zusatzzoll im Gesamtjahr 2026 von rund 700 Millionen Euro Belastung aus. Bernstein Research kalkuliert jetzt mit zusätzlichen 311 Millionen Euro Einbuße oder 16,4 Prozent des Betriebsergebnisses. Die Volkswagen Group, die Porsche mit einschließt, könnte 1,3 Milliarden Euro mehr Belastung erwarten. Den negativen US-Zolleffekt für das vergangene Jahr bezifferte Finanzchef Arno Antlitz auf vier Milliarden Euro.
Die Premiumhersteller BMW und Mercedes-Benz kalkulieren abermals mit mehr als einem Prozentpunkt Marge, die in die Kassen der Vereinigten Staaten fließt. Mercedes-Finanzchef Harald Wilhelm nannte zuletzt rund 1,5 Prozentpunkte allein im Hauptgeschäftsfeld Pkw. Ausgehend von einem unveränderten Umsatz wären das schon fast anderthalb Milliarden Euro an operativem Gewinn. Bernstein Research errechnete bei zehn Prozentpunkten mehr Zoll 590 Millionen Euro oder 14,5 Prozent des in Aussicht gestellten Gewinns, den die Marke mit dem Stern verliert. Auf den Konkurrenten aus München kämen nach der Bernstein-Schätzung mit 760 Millionen Euro fast so viel obendrauf, wie BMW bisher an Belastung durch alle Zölle weltweit erwartet.
Empfohlene Artikel









