Trump will deutlich mehr als 5000 US-Soldaten aus Deutschland abziehen
Berlin, 03. Mai (Reuters) - US-Präsident Donald Trump kündigte am Samstag an, deutlich mehr als 5000 Soldaten aus Deutschland abzuziehen. Das Pentagon hatte einen Teilabzug aus dem Land, dem größten US-Stützpunkt in Europa, am Freitag bekanntgegeben. Der geplante Abzug soll Europa nach den Worten von Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius zu einer Stärkung der eigenen Verteidigung anspornen. "Wir Europäer müssen mehr Verantwortung für unsere eigene Sicherheit übernehmen", sagte Pistorius. Deutschland sei mit dem Ausbau der Bundeswehr, der beschleunigten Rüstungsbeschaffung und dem Aufbau von Infrastruktur "auf dem richtigen Weg".
Zudem wird ein Plan aus der Ära von Trumps Vorgänger Joe Biden verworfen, ein US-Bataillon mit weitreichenden Tomahawk-Raketen in Deutschland zu stationieren. Führende republikanische Abgeordnete zeigten sich "sehr besorgt". Die Truppen sollten nicht aus Europa abgezogen, sondern weiter nach Osten verlegt werden, erklärten die Vorsitzenden der Streitkräfteausschüsse im Senat und im Repräsentantenhaus, Roger Wicker und Mike Rogers. Auch der polnische Ministerpräsident Donald Tusk äußerte sich besorgt. "Die größte Bedrohung für die transatlantische Gemeinschaft sind nicht ihre äußeren Feinde, sondern der fortschreitende Zerfall unseres Bündnisses", schrieb Tusk am Samstag auf der Plattform X.
Trump hatte bereits in seiner ersten Amtszeit eine Reduzierung der Militärpräsenz gefordert. Die Drohung verschärfte er jedoch Anfang der Woche nach einem Streit mit Bundeskanzler Friedrich Merz, der Washingtons Ausstiegsstrategie im Nahen Osten in Frage gestellt hatte. Die Beziehungen zwischen den USA und Europa sind zudem durch Differenzen über den Iran-Konflikt und Spannungen bei den Zöllen belastet. Trump kündigte an, die Zölle auf Autoimporte aus der EU auf 25 Prozent zu erhöhen. Ein Außenpolitiker der CDU von Kanzler Merz, Peter Beyer, sagte der Nachrichtenagentur Reuters, der Truppenabzug und die Handelspolitik wirkten weniger wie der Ausdruck einer kohärenten Strategie als vielmehr wie ein politischer Reflex und eine aus Frustration geborene Reaktion.
Ein Experte wertete den Verzicht auf die Raketen-Einheit als operativ schwerwiegender als den reinen Truppenabzug. Die USA hätten "innerhalb der Nato faktisch ein Monopol" auf weitreichende Raketen, schrieb Christian Mölling, Direktor der europäischen Verteidigungs-Denkfabrik EDINA, auf X. Die US-Militärpräsenz in Deutschland begann nach dem Zweiten Weltkrieg als Besatzungsmacht und erreichte während des Kalten Krieges ihren Höhepunkt. Derzeit sind fast 40.000 US-Soldaten in Deutschland stationiert. Zu den Stützpunkten gehören die große Luftwaffenbasis Ramstein und das Krankenhaus in Landstuhl, die von den USA zur Unterstützung ihrer Militäreinsätze im Iran sowie früher im Irak und in Afghanistan genutzt wurden.
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