Unilever dreht wegen gestiegener Kosten an der Preisschraube
30. Apr (Reuters) - Der Konsumgüterriese UnileverULVR.L bereitet seine Kunden wegen des Iran-Kriegs auf neue Preiserhöhungen vor. Die Kosten seien stärker gestiegen als erwartet, teilte der Hersteller von Marken wie Dove-Seife und Axe-Deo am Donnerstag mit. Unilever rechnet nun für das Gesamtjahr mit Kostensteigerungen von 750 bis 900 Millionen Euro. "Das sind 350 bis 500 Millionen Euro mehr als zu Jahresbeginn erwartet", sagte Finanzchef Srinivas Phatak. Es sei eventuell nicht möglich, dies allein durch Kostensenkungen aufzufangen, daher werde man die Preise anheben. "Es wird häufige Preiserhöhungen geben, aber in kleinen Dosen", so Phatak. Die Anpassungen sollen maßvoll und wettbewerbsfähig sein und vor allem in der zweiten Jahreshälfte in ausgewählten Bereichen erfolgen.
Der britische Konzern befindet sich damit in einer heiklen Lage: In den vergangenen Jahren hatte Unilever die stark gestiegenen Rohstoffkosten infolge der Pandemie und des Ukraine-Kriegs an die Verbraucher weitergegeben. Dies führte jedoch dazu, dass viele Kunden zu günstigeren Eigenmarken abwanderten. Erst kürzlich hatte das Unternehmen begonnen, diese Kunden durch stabilere Preise und höhere Investitionen in Marketing zurückzugewinnen. Im ersten Quartal legte der bereinigte Umsatz um 3,8 Prozent zu und übertraf damit die Erwartungen. Entscheidend dabei war, dass das Wachstum erstmals seit Jahren wieder von höheren Verkaufsmengen und nicht von Preiserhöhungen getragen wurde.
ANSTIEG DER INFLATION DRÜCKT AUF KONSUMAUSGABEN
Die gesamte Konsumgüterbranche spürt derzeit die wirtschaftlichen Folgen des Krieges im Iran. So warnten Unilever-Rivalen wie NestleNESN.S und Procter & GamblePG.N zuletzt vor steigenden Kosten, während der britische Konkurrent ReckittRKT.L auf einen zunehmenden Margendruck hinwies. Eine Ausnahme bildete der französische Wettbewerber L'OrealOREP.PA, der die Erwartungen dank einer starken Nachfrage nach Premiumprodukten übertraf. Generell bereitet der Branche jedoch die Sorge vor einer nachlassenden Kauflust Kopfzerbrechen. Sollten der Konflikt andauern und die hohen Ölpreise die Inflation treiben, werden die Haushaltsbudgets der Verbraucher deutlich belastet.
Bei Unilever ist vor allem der wichtige indische Markt betroffen: Die Tochter Hindustan UnileverHLL.NS stemmt sich ebenfalls mit Preiserhöhungen und Kostensenkungen gegen die Folgen des Iran-Kriegs. Als drittgrößter Ölverbraucher der Welt ist Indien besonders anfällig, da das Land stark von Energieimporten aus dem Nahen Osten abhängt. Niranjan Gupta, Finanzchef von Hindustan Unilever, bezifferte die Inflation bei den Materialkosten auf acht bis zehn Prozent. Die bisherigen Preiserhöhungen lägen jedoch nur zwischen zwei und fünf Prozent. Diese Lücke zwinge das Unternehmen zu weiteren Maßnahmen. So würden nun die Packungsgrößen für bestimmte Produkte verkleinert und die Werbeausgaben gekürzt, um die "kurzfristigen Auswirkungen der Lage im Nahen Osten" abzufedern.
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