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STICHWORT-Digitales Nadelöhr Hormus - Gefährdet der Iran-Krieg Unterseekabel?

ReutersApr 28, 2026 1:46 PM
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- von Federico Maccioni

- Der Iran hat in der vergangenen Woche davor gewarnt, dass die Unterseekabel in der Straße von Hormus eine Schwachstelle für die digitale Wirtschaft der Region darstellen. Dies schürt Sorgen über mögliche Angriffe auf die kritische Infrastruktur. Die Meerenge ist nicht nur ein zentrales Nadelöhr für den weltweiten Öltransport, sondern auch für die globale Internetanbindung von großer Bedeutung. Auf dem Meeresboden verlaufen mehrere Glasfaserkabel, die Indien und Südostasien über die Golfstaaten und Ägypten mit Europa verbinden.

WARUM SIND UNTERWASSERKABEL SO WICHTIG?

Unterseekabel sind Glasfaser- oder Stromkabel, die auf dem Meeresboden verlegt werden, um Daten und Energie zu übertragen. Laut der ITU, der UN-Sonderorganisation für digitale Technologien, wickeln sie rund 99 Prozent des weltweiten Internetverkehrs ab. "Beschädigte Kabel bedeuten ein langsameres Internet oder Ausfälle, Störungen im Online-Handel, Verzögerungen bei Finanztransaktionen", erläutert die Geopolitik- und Energie-Analystin Masha Kotkin.

Die Golfstaaten, insbesondere die Vereinigten Arabischen Emirate (VAE) und Saudi-Arabien, investieren Milliarden Dollar in Künstliche Intelligenz (KI) und digitale Infrastruktur, um ihre Wirtschaft unabhängiger vom Öl zu machen. Beide Länder haben nationale KI-Unternehmen gegründet, die Kunden in der gesamten Region bedienen. Diese sind allesamt auf Unterseekabel angewiesen, um Daten in Höchstgeschwindigkeit zu übertragen.

Zu den wichtigsten Kabeln in der Straße von Hormus zählt das System Asia-Africa-Europe 1 (AAE-1), das Südostasien über Ägypten mit Europa verbindet und über Anlandepunkte in den VAE, im Oman, in Katar und in Saudi-Arabien verfügt. Hinzu kommen das Falcon-Netzwerk, das zwischen Indien, Sri Lanka, den Golfstaaten, dem Sudan und Ägypten verläuft, sowie das Gulf Bridge International Cable System, das alle Golfstaaten einschließlich des Iran vernetzt. Weitere Netzwerke befinden sich im Bau, darunter ein System unter Federführung des katarischen Telekommunikationskonzerns Ooredoo.

WAS SIND DIE RISIKEN?

Der seit fast zwei Monaten andauernde Krieg mit dem Iran hat zu beispiellosen Störungen der weltweiten Energieversorgung und der regionalen Infrastruktur geführt. So wurden etwa Rechenzentren von Amazon Web Services in Bahrain und den VAE getroffen. Unterseekabel blieben bislang verschont, es besteht jedoch ein indirektes Risiko durch beschädigte Schiffe, die mit schleifenden Ankern Kabel durchtrennen könnten. "Inmitten aktiver Kampfhandlungen steigt das Risiko unbeabsichtigter Schäden, und je länger dieser Konflikt andauert, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit dafür", sagt Analystin Kotkin.

Ein solcher Vorfall ereignete sich 2024 im Roten Meer, als ein von den jemenitischen Huthi-Rebellen angegriffenes Handelsschiff mit seinem Anker Kabel kappte. Wie stark sich Schäden auf die Internetverbindung in den Golfstaaten auswirken würden, hängt dem Telekommunikations-Forschungsunternehmen TeleGeography zufolge maßgeblich davon ab, wie sehr die einzelnen Netzbetreiber auf die Kabel angewiesen sind und welche Alternativen ihnen zur Verfügung stehen.

KEINE EINFACHE LÖSUNG

Die Reparatur beschädigter Kabel in Konfliktgebieten stellt eine besondere Herausforderung dar. Die eigentliche Instandsetzung sei zwar nicht allzu kompliziert, doch das Risiko durch Kampfhandlungen oder Seeminen könne die Entscheidungen von Schiffsbetreibern und Versicherern beeinflussen, sagen Experten. Zudem erschwere die Beantragung von Zugangsgenehmigungen für Hoheitsgewässer die Arbeiten. Oft sei das Einholen dieser Genehmigungen das größte Problem und könne viel Zeit in Anspruch nehmen, sagt Alan Mauldin von TeleGeography. Nach dem Ende des Konflikts stehe die Branche zudem vor der Aufgabe, den Meeresboden neu zu vermessen. Nur so ließen sich sichere Routen für die Kabel finden und während der Kämpfe gesunkene Schiffe oder andere Objekte umgehen.

ALTERNATIVEN

Ein möglicher Schaden an Unterseekabeln würde wegen bestehender landgestützter Verbindungen zwar nicht zu einem vollständigen Ausfall der Internetanbindung führen, Experten zufolge sind Satellitensysteme jedoch kein praktikabler Ersatz. Sie könnten nicht dasselbe Datenvolumen bewältigen und seien teurer. "Es ist nicht so, dass man einfach auf Satelliten umsteigen könnte. Das ist keine Alternative", sagt Mauldin. Er wies darauf hin, dass Satelliten auf Verbindungen zu landgestützten Netzwerken angewiesen und eher für bewegliche Objekte wie Flugzeuge und Schiffe geeignet seien. Netzwerke in einer niedrigen Erdumlaufbahn wie Starlink seien derzeit "eine Nischenlösung, die nicht für Millionen von Nutzern skalierbar ist", ergänzt Kotkin.

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