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HINTERGRUND-Rennen um UN-Spitze: Vier Kandidaten stellen sich Anhörungen in New York

ReutersApr 21, 2026 9:58 AM
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  • Forderung nach einer Frau als Generalsekretärin
  • Weltorganisation erheblich unter Druck
  • Veto-Mächte letztlich entscheidend

- von David Brunnstrom und Emma Farge und Olivia Le Poidevin

- Im Rennen um den Posten des UN-Generalsekretärs stellen sich die vier bisherigen Kandidaten diesen Dienstag und Mittwoch in New York den Anhörungen der Mitgliedsstaaten. Die frühere chilenische Präsidentin Michelle Bachelet, der Argentinier Rafael Grossi, die Costa-Ricanerin Rebeca Grynspan und der ehemalige senegalesische Präsident Macky Sall bewerben sich um eine fünfjährige Amtszeit an der Spitze der 193 Mitgliedsstaaten zählenden Weltorganisation. Die Amtszeit beginnt im kommenden Jahr und kann einmalig um weitere fünf Jahre verlängert werden. Weitere Bewerber können in den kommenden Monaten noch hinzustoßen.

Der künftige UN-Chef steht vor der gewaltigen Aufgabe, eine in der Krise steckende Organisation wiederzubeleben, deren Ansehen in den vergangenen Jahren deutlich gelitten hat. Großmächte drängen die Vereinten Nationen zu Reformen, Kostensenkungen und dem Nachweis ihrer Relevanz, auch wenn sie selbst zunehmend langjährige Normen der internationalen Ordnung missachten. Die Kandidaten müssen sich am UN-Hauptsitz jeweils drei Stunden lang den Fragen der Mitgliedsstaaten und von Vertretern der Zivilgesellschaft stellen. Bachelet und Grossi machen am Dienstag den Auftakt, gefolgt von Grynspan und Sall am Mittwoch.

LATEINAMERIKA WÄRE AN DER REIHE

Die Zahl der Bewerber ist aktuell deutlich geringer als 2016. Damals standen 13 Kandidaten zur Wahl, darunter sieben Frauen. Der amtierende UN-Generalsekretär Antonio Guterres aus Portugal setzte sich letztlich durch. Die Vereinten Nationen haben in ihrer 80-jährigen Geschichte noch nie eine Frau an der Spitze gehabt, trotz wachsender Forderungen, dies zu ändern. Eine Tradition sieht zudem vor, dass das Amt zwischen den Weltregionen rotiert. Demnach wäre nun Lateinamerika an der Reihe.

Eine weitere ungeschriebene Regel besagt, dass der Generalsekretär niemals aus einem der fünf ständigen Mitgliedsstaaten des UN-Sicherheitsrates – Großbritannien, China, Frankreich, Russland und den USA – stammen darf, um eine Machtkonzentration zu vermeiden. Die Unterstützung dieser Veto-Mächte ist in dem langwierigen und undurchsichtigen Auswahlprozess jedoch entscheidend.

Daniel Forti von der Denkfabrik International Crisis Group schrieb kürzlich, der Bedarf an einem Generalsekretär, der bereit sei, eine klare und proaktive Vision für die Friedenssicherung und das Krisenmanagement der UN zu verteidigen, könne nicht dringender sein. "Wenn die Kandidaten und die Mitgliedsstaaten diese Gelegenheit verpassen, bleibt von den UN vielleicht nicht mehr viel übrig, das es zu verteidigen gilt", erklärte er.

"WELT IM UMBRUCH"

Die 74-jährige Bachelet war zweimal Präsidentin Chiles und UN-Hochkommissarin für Menschenrechte. Ihr eigenes Land entzog ihr im März nach einem Rechtsruck in der Regierung die Unterstützung. Sie genießt jedoch weiterhin den Rückhalt Brasiliens und Mexikos. US-Konservative kritisieren Bachelet für ihre Haltung zum Recht auf Abtreibung. In diesem Monat schien der UN-Botschafter der USA, Michael Waltz, ihre Kandidatur zu torpedieren, als er erklärte, er teile die Bedenken hinsichtlich ihrer Eignung.

Der 65-jährige Grossi leitet seit sechs Jahren die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA). Der Karrierediplomat und achtfache Vater spricht Englisch, Spanisch, Französisch und Italienisch. In seiner Bewerbung erklärte er, dass multilaterale Institutionen selbst in Zeiten der Spaltung echte, positive Wirkungen erzielen könnten.

Die 70-jährige Grynspan ist eine ehemalige Vizepräsidentin Costa Ricas und leitet die UN-Organisation für Handel und Entwicklung (UNCTAD). Sie präsentiert sich als reformorientierte Multilateralistin, die sich gegen Geschlechterbarrieren durchgesetzt hat. "Ich erwarte keine Sonderbehandlung. Ich will Gleichbehandlung", sagte sie der Nachrichtenagentur Reuters.

Der 64-jährige Sall war bis 2024 zwölf Jahre lang Präsident des Senegal. Der Geologe und Sohn eines Erdnussverkäufers gilt als ruhig im Auftreten und spricht Französisch und Englisch. Er setzt sich für die Entwicklung Afrikas und die Unterstützung hochverschuldeter Länder ein. "Mehr denn je bleibt ein erneuerter Multilateralismus der beste Weg, um auf die Herausforderungen einer Welt im Umbruch zu reagieren", erklärte er auf der Plattform X.

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