Berliner Sparkasse vorsichtig für 2026 - Maue Konjunktur und Krieg belasten
Berlin, 14. Apr (Reuters) - Die Berliner Sparkasse stellt sich 2026 wegen des schwierigen Konjunkturumfelds auf weniger Gewinn ein. "200 bis 250 Millionen Euro - das ist realistisch", sagte Vorstandschef Johannes Evers am Dienstag auf der Bilanzpressekonferenz in Berlin. Im vergangenen Jahr lag das Ergebnis mit 293 Millionen Euro zwar unter dem Rekordjahr 2024, als der Verkauf des ADAC-Kreditkartenportfolios als Sondereffekt für insgesamt 368 Millionen Euro sorgte. Das Ergebnis übertraf aber das Ziel von 245 Millionen Euro, wie der Chef der nach Kundenzahl größten deutschen Sparkasse betonte. Das Geschäftsjahr sei ordentlich gewesen und man sei gut in das Jahr 2026 gestartet.
Für Gegenwind sorgten die geopolitische Lage mit dem anhaltenden Ukraine-Konflikt, dem Iran-Krieg samt Energiepreiskrise und die maue Konjunktur in Deutschland mit mehr Firmenpleiten, sagte Evers. Berlin könne sich zwar nicht total abkoppeln von dieser Situation. Aber die Chancen seien da, dass sich die Hauptstadt über längere Zeit positiver entwickle als der Rest des Landes, weil die Berliner Wirtschaft mehr auf Dienstleistungen fokussiert sei statt auf Industrie.
Die Bank büßte 2025 beim Zins- und Provisionsgeschäft ein und erhöhte die Risikovorsorge um 29 Prozent auf 182 Millionen Euro. Die Verwaltungskosten sanken um 129 Millionen Euro oder 15 Prozent. Das Verhältnis von Aufwand und Ertrag - die Cost-Income-Ratio - sank auf 56,4 (Vorjahr: 58,5) Prozent und das Institut stärkte seine Reserven mit 100 Millionen Euro.
Evers zeigte sich zuversichtlich zum Erfolg des europäischen Bezahlsystems Wero als Alternative zu Marktführern aus der USA wie PaypalPYPL.O. "Wir wollen nicht abhängig sein von den Big Techs der Vereinigten Staaten - wir haben sie alle bei der Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump gesehen." Es gehe bei Wero nicht um die Marketingeinführung für ein neues Verfahren, sondern darum, eine Grundbefindlichkeit der Menschen zu bedienen - "nämlich das Verlangen nach Sicherheit und Stabilität - und nicht ausspioniert und missbraucht zu werden", betonte der Manager. "Ich sehe noch keinen Big Bang, aber eine kontinuierliche, beharrliche Entwicklung bei Wero."
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