Seoul, 06. Apr (Reuters) - Nordkorea geht Südkorea zufolge auf Distanz zu seinem langjährigen Partner Iran. Damit wolle sich das international isolierte Land die Möglichkeit künftiger Beziehungen zu den USA offenhalten, sagen südkoreanische Abgeordnete am Montag und beziehen sich bei ihren Aussagen auf Informationen des südkoreanischen Geheimdienstes NIS. Seit Beginn des Krieges im Iran am 28. Februar habe die Führung in Pjöngjang weder Waffen noch Hilfsgüter nach Teheran geliefert, habe der NIS bei einer nicht öffentlichen Anhörung im Parlament in Seoul mitgeteilt. Zudem habe Nordkorea nach dem Tod des bei Luftangriffen getöteten iranischen Staatsoberhaupts Ajatollah Ali Chamenei nicht öffentlich kondoliert, sagte der Abgeordnete Park Sun Won. Auch habe es keine Glückwünsche an dessen Sohn und Nachfolger Modschtaba Chamenei gegeben.
Das Außenministerium in Pjöngjang habe sich bislang mit Stellungnahmen zu dem Konflikt zurückgehalten und direkte Kritik an US-Präsident Donald Trump vermieden, habe es vom NIS weiter geheißen. Der Geheimdienst werte diese Zurückhaltung als Vorbereitung, um sich nach einem für Mai erwarteten Gipfeltreffen zwischen Trump und dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping neuen diplomatischen Spielraum zu sichern. Zugleich leide Nordkorea unter den wirtschaftlichen Folgen der Nahost-Krise, die zu Lieferengpässen in der Industrie, steigenden Preisen und einem starken Anstieg des Wechselkurses geführt hätten. Pjöngjang versuche zudem, sich russische Öllieferungen zu sichern.
Machthaber Kim Jong Un hatte Ende Februar auf dem neunten Parteitag der nordkoreanischen Arbeiterpartei Gesprächsbereitschaft in Richtung Washington signalisiert. Es gebe keinen Grund, warum beide Länder nicht gut miteinander auskommen könnten, sofern die USA Nordkorea als Atommacht anerkennten und ihre feindselige Politik aufgäben. Dem NIS zufolge handelte es sich dabei um ein bewusstes Signal Kims, um das Verhältnis zu Trump nicht zu belasten und Nordkorea für die Zeit nach dem Nahost-Konflikt diplomatisch in Stellung zu bringen.