San Jose, 02. Mrz (Reuters) - Der Chipindustrie-Zulieferer ASMLASML.AS will mit neuen Maschinen zur Produktion hochmoderner Prozessoren seine Spitzenposition in der aufziehenden KI-Ära verteidigen. Ein Augenmerk liege dabei auf Anlagen zur hochpräzisen Endmontage von Halbleitern, sagte ASML-Technologiechef Marco Pieters in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Reuters. Beim sogenannten Advanced Packaging werden Chips über- oder nebeneinander zu größeren Einheiten verbunden, um ihre Leistungsfähigkeit zu erhöhen.
"Wir schauen dabei nicht nur auf die nächsten fünf, sondern zehn, vielleicht sogar 15 Jahre", betonte Pieters. Sein Unternehmen versuche vorauszusehen, in welche Richtung sich die Halbleiterbranche entwickele und welche Werkzeuge sie dafür benötigen werde. Ein weiterer Schwerpunkt der Entwicklung sei es, die Produktionsgeschwindigkeit zu erhöhen.
Seinen Aufstieg zum weltweit führenden Chipindustrie-Ausrüster verdankt ASML der EUV-Technologie. Der niederländische Konzern ist der weltweit einzige Anbieter von Maschinen, die mithilfe extrem ultravioletten Lichts (EUV) besonders feine Schaltkreise auf Siliziumscheiben brennen. Da diese Fertigungsmethode jedoch an ihre physikalischen Grenzen stößt, müssen Chips für weitere Leistungssteigerungen gebündelt und über mikroskopisch feine Leitungen verbunden werden.
VOM MAUERBLÜMCHEN ZUM GEWINNBRINGER
Dadurch entwickelt sich die Endmontage von Computerchips von einem margenschwachen Massengeschäft, bei dem Halbleiter in Schutzhüllen aus Kunststoff eingegossen werden, zu einem hochspezialisierten und ertragsstarken Zukunftsmarkt. Um das Potenzial des Advanced Packaging auszuschöpfen, werde Präzision bei der Produktion der Chips immer wichtiger, erläuterte Pieters. Hierzu würden modernere und hochspezialisierte Maschinen benötigt.
ASML brachte im vergangenen Jahr mit der "XT:260" eine Anlage auf den Markt, die speziell für die Fertigung leistungsstarker Prozessoren für Künstliche Intelligenz (KI) und dazugehörige Speicherchips ausgelegt ist. Die Entwicklung weiterer derartiger Produkte laufe auf Hochtouren, betonte Pieters.
HOHE ERWARTUNGEN - EHRGEIZIGE ZIELE
Anleger setzen hohe Erwartungen an den seit knapp sechs Monaten amtierenden ASML-Manager Pieters und den Konzernchef Christophe Fouquet. Seit Jahresbeginn ist der Aktienkurs des Unternehmens um rund ein Drittel gestiegen, etwa achtmal so stark wie der europäische Technologie-Index.SX8P. Aktuell notieren die Titel etwa beim 40-Fachen des Gewinns je Aktie. Das Kurs/Gewinn-Verhältnis von NvidiaNVDA.O, dem Chipkonzern und weltweit wertvollsten Unternehmen, liegt bei rund 22.
ASML ist mit knapp 470 Milliarden Euro gemessen am Börsenwert der größte Technologiekonzern Europas. Das Unternehmen will seinen Umsatz bis 2030 auf 44 bis 60 Milliarden Euro nahezu verdoppeln. Gespeist werde das Wachstum sowohl vom Geschäft mit den EUV-Maschinen, die die Größe eines Doppeldeckerbusses haben und mehrere Hundert Millionen Euro kosten, als auch von neuen Anlagen für die KI-Ära, prognostizierte Pieters.
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