02. Mrz (Reuters) - Nach den gemeinsamen Luftangriffen der USA und Israels auf den Iran ist die Teilnahme der iranischen Nationalmannschaft an der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 fraglich. Die WM wird ausgerechnet in den USA, Kanada und Mexiko ausgetragen. Dazu die wichtigsten Fragen und Antworten:
WAS SAGT DER IRANISCHE FUSSBALLVERBAND?
Nach den Worten von Mehdi Tadsch, Präsident des iranischen Fußballverbands, verheißt die Heftigkeit der Angriffe durch US-amerikanische und israelische Streitkräfte nichts Gutes für die WM. Er sprach zwar nicht von einem Boykott, kündigte jedoch an, dass hochrangige iranische Sportfunktionäre die Lage bewerten würden, bevor über Maßnahmen entschieden werde. Bislang hat sich kein iranischer Funktionär öffentlich zu einem Rückzug aus dem Turnier geäußert.
WO WÜRDEN DIE IRAN-SPIELE STATTFINDEN?
Die 23. Fußball-Weltmeisterschaft wird vom 11. Juni bis 19. Juli von den USA, Kanada und Mexiko gemeinsam ausgerichtet. Der Iran hatte sich im vergangenen Jahr durch den Gruppensieg in der dritten Runde der Asien-Qualifikation die vierte WM-Teilnahme in Folge gesichert. Bei der Auslosung im vergangenen Dezember wurden die Iraner in eine Gruppe mit Belgien, Ägypten und Neuseeland gelost. Alle drei Spiele der Gruppe G sollen in den USA stattfinden, zwei in Los Angeles und eines in Seattle.
WAS WÜRDE PASSIEREN, WENN DER IRAN SICH ZURÜCKZIEHT?
Im modernen Fußball gab es noch keinen Fall, in dem eine bereits qualifizierte Mannschaft nicht an einer WM-Endrunde teilnahm. Ein vergleichbarer Fall ereignete sich vor der Europameisterschaft 1992, als Jugoslawien in einen schweren Bürgerkrieg verwickelt war. Die Vereinten Nationen verhängten Sanktionen gegen das Land, woraufhin Fifa und Uefa die Nation am Vorabend des Turniers von allen Wettbewerben ausschlossen. Ersetzt wurde Jugoslawien durch Dänemark, das in der Qualifikationsgruppe Zweiter geworden war und dann sogar den Titel gewann. Um das Teilnehmerfeld von 48 Mannschaften beizubehalten, würde der Iran bei einem Rückzug mit ziemlicher Sicherheit ersetzt werden. Die Fifa reagierte zunächst nicht auf eine Anfrage zu ihren Notfallplänen.
WER WÜRDE DEN IRAN ERSETZEN?
Die Asiatische Fußball-Konföderation (AFC) würde erwarten, dass die Ersatzmannschaft aus ihrer Region kommt. Die Vereinigten Arabischen Emirate belegten in der Qualifikationsgruppe A hinter den direkt qualifizierten Mannschaften aus dem Iran und Usbekistan den dritten Platz, verpassten jedoch den Einzug in die nächste Runde. Als Favorit auf den Nachrückerplatz gilt der Irak. Die Iraker treten Ende März in den interkontinentalen Play-offs gegen Bolivien oder Suriname an, um sich als neunte asiatische Mannschaft zu qualifizieren. Sollten sie dort scheitern, würden sie dennoch als wahrscheinlichster Nachrücker gelten.
GAB ES BEREITS POLITISCHE PROBLEME MIT DEM IRANISCHEN TEAM?
Ja. Die Fifa sperrte den Iran im November 2006 wegen "Einmischung der Regierung in Fußballangelegenheiten" für alle internationalen Spiele. Die Sperre wurde im folgenden Monat nach Gesprächen mit dem damaligen Fifa-Präsidenten Sepp Blatter aufgehoben. Oppositionsgruppen haben die Fifa wiederholt aufgefordert, den Iran von der WM auszuschließen. Sie verweisen auf den Einfluss der Islamischen Revolutionsgarde, die 2019 von den USA als Terrorgruppe eingestuft wurde. Bei den vergangenen beiden Weltmeisterschaften stand zudem das fast vollständige Verbot für Zuschauerinnen in den Stadien im Mittelpunkt von Kampagnen. Unter Präsident Gianni Infantino bevorzugt die Fifa jedoch eine Politik des direkten Dialogs mit der iranischen Regierung. Zudem können Fans aus dem Iran aufgrund einer von US-Präsident Donald Trump erlassenen Verordnung nicht in die USA einreisen. Sollte die Mannschaft dennoch spielen, kann sie auf die Unterstützung der rund einer Million US-Bürger mit iranischen Wurzeln zählen.
HABEN DER IRAN UND DIE USA SCHON GEGENEINANDER GESPIELT?
Der Iran und die USA sind bei Weltmeisterschaften bereits zweimal aufeinandergetroffen. 1998 in Frankreich gewann der Iran mit 2:1, nachdem die Spieler vor dem Anpfiff Blumen und Geschenke ausgetauscht hatten. Vor vier Jahren in Katar gewannen die USA mit 1:0 und zogen ins Achtelfinale ein. Bei der WM 2026 könnten sie in der ersten K.o.-Runde aufeinandertreffen, sollten beide in ihren jeweiligen Gruppen Zweiter werden.
WAS HABEN DIE AMERIKANER GESAGT?
Andrew Giuliani, der geschäftsführende Direktor der WM-Task-Force des Weißen Hauses, schrieb am Wochenende in den sozialen Medien: "Ich bete, dass das iranische Volk seine Freiheit erlangen wird. Um die Fußballspiele kümmern wir uns morgen – heute Abend feiern wir ihre Aussicht auf Freiheit."