Zürich, 27. Feb (Reuters) - Die Schweizer Finanzmarktaufsicht Finma greift bei der MBaer AG hart durch und wickelt das Institut ab. Die Bank habe ihre Beschwerde gegen den Entzug der Banklizenz zurückgezogen, womit die Liquidation nun vollzogen werde, teilte die Behörde am Freitag mit. Die Aufsicht wirft dem Zürcher Geldhaus schwere und systematische Verstöße gegen Geldwäschevorschriften vor. Zudem habe die Bank Kunden aktiv dabei geholfen, Vermögenssperren und Sanktionen zu umgehen.
Der Schritt erfolgt nur einen Tag, nachdem auch die US-Behörde zur Bekämpfung von Finanzkriminalität (FinCEN) MBaer den Ausschluss aus dem US-Finanzsystem angedroht hatte. Die Finma sprach in ihrer Mitteilung von einem außerordentlich schweren Fall. Die Mängel in der Organisation und im Risikomanagement seien so gravierend gewesen, dass eine Sanierung unter den gegebenen Umständen nicht mehr möglich gewesen sei. Die MBaer Merchant Bank verwaltete den Angaben zufolge per Ende 2025 mit gut 60 Mitarbeitern Vermögen von 4,9 Milliarden Franken für knapp 700 Kunden.
Die Finma hatte das Verfahren 2024 eingeleitet, nachdem bei der Bank Auffälligkeiten im Zusammenhang mit Russland-Sanktionen festgestellt worden waren. Die Ergebnisse der Untersuchung zeichnen das Bild eines Instituts, das fast ausschließlich risikoreiche Geschäfte betrieb. Zuletzt hätten 98 Prozent der entgegengenommenen Vermögenswerte von Hochrisikokunden gestammt. Warnungen der eigenen Compliance-Abteilung seien mehrfach ohne nachvollziehbare Begründung ignoriert worden. Selbst für Kunden, die auf Sanktionslisten standen, führte die Bank demnach Transaktionen aus.
Die Liquidationsanordnung der Finma lag bereits seit drei Wochen vor, durfte aber wegen des laufenden Verfahrens vor dem Bundesverwaltungsgericht zunächst nicht umgesetzt werden. Mit der Rücknahme der Beschwerde ist der Weg nun frei für die Liquidatoren Daniel Staehelin und Lukas Bopp von der Kanzlei Kellerhals Carrard. Die Aufsicht geht zudem in vier Fällen juristisch gegen Personen vor.
Annett Viehweg führt ihre Funktion als Firmenchefin unter der Aufsicht der Liquidatoren fort, erklärte MBaer in einer Stellungnahme. Der Verwaltungsrat sei zurückgetreten. Gemäß den Büchern der Bank seien ausreichend Vermögenswerte vorhanden, um die Bankkunden und Gläubiger vollumfänglich zu befriedigen. Aufgrund der US-Intervention und des Bewilligungsentzugs unterliegt die Bank Beschränkungen im Zahlungsverkehr. Vorerst könnten deshalb pro Kunde nur 100.000 Franken ausbezahlt werden.