
- von Parisa Hafezi
Dubai, 22. Feb (Reuters) - Der Iran hat einem Insider zufolge signalisiert, in den Atom-Gesprächen mit den USA zu Zugeständnissen bereit zu sein. Im Gegenzug müssten aber die Sanktionen aufgehoben und Irans Recht auf Urananreicherung anerkannt werden, sagte ein hochrangiger iranischer Beamter der Nachrichtenagentur Reuters. So biete der Iran US-Unternehmen die Möglichkeit, als Auftragnehmer an den großen Öl- und Gasindustrien des Iran teilzuhaben. "Im Rahmen des derzeit verhandelten Wirtschaftspakets wurden den Vereinigten Staaten auch Möglichkeiten für ernsthafte Investitionen und konkrete wirtschaftliche Interessen in der iranischen Ölindustrie angeboten", so der Insider.
Der Iran würde auch ernsthaft eine Kombination aus der Ausfuhr der Hälfte seines hochangereicherten Urans ins Ausland, der Verdünnung des restlichen Urans und der Beteiligung an der Gründung eines regionalen Anreicherungskonsortiums erwägen, sagte der Insider. Die Regierung in Teheran biete dies im Gegenzug für die Anerkennung seines Rechts auf "friedliche Urananreicherung" durch die USA im Rahmen eines Abkommens, das auch die Aufhebung der Wirtschaftssanktionen beinhalte.
Nach zwei Verhandlungsrunden sind die USA und der Iran weiter von einer Einigung entfernt. Reuters hatte allerdings berichtet, dass der Iran seit dem Ende der Gespräche in der vergangenen Woche, bei dem weiter auch ein militärischer Konflikt im Raum stand, neue Zugeständnisse angeboten hat. Beobachter hatten erklärt, dass dies darauf hindeutet, dass Teheran versucht, die Diplomatie am Leben zu erhalten und einen größeren US-Angriff abzuwenden.
Die USA und andere westliche Länder verhandeln seit Jahren mit dem Iran über dessen Atomprogramm und werfen dem Land eine Verzögerungstaktik vor. Sie wollen nicht, dass der Iran seine Arbeiten so weit vorantreibt, dass das Land eine Atombombe bauen kann. Der Iran bestreitet, nach Atomwaffen zu streben, hat sich umfangreichen internationalen Kontrollen seiner Arbeiten aber weitgehend entzogen.
Der iranische Insider sagte, die jüngsten Verhandlungen hätten gezeigt, dass die Vorstellungen der USA hinsichtlich des Umfangs und des Mechanismus von Sanktionserleichterungen von den Forderungen des Iran abwichen. "Beide Seiten müssen einen logischen Zeitplan für die Aufhebung der Sanktionen vereinbaren", sagte der Insider. "Dieser Fahrplan muss vernünftig sein und auf gegenseitigen Interessen basieren."
Der iranische Außenminister Abbas Araghchi hatte am Sonntag gesagt, er rechne damit, sich am kommenden Donnerstag in Genf mit dem US-Sonderbeauftragten Steve Witkoff zu treffen und sehe noch "gute Chancen" für eine diplomatische Lösung. Unter Berufung auf Vertreter beider Seiten sowie auf Diplomaten aus der Golfregion und Europa hatte Reuters am Freitag berichtet, die USA und der Iran steuerten rasch auf einen militärischen Konflikt zu, da die Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung schwinden würden.
Behnam Ben Taleblu, Direktor des Iran-Programms bei der Foundation for Defense of Democracies in Washington, sagte, die iranische Führung versuche, durch die Gespräche Zeit zu gewinnen: "Der Iran wird diese Zeit aus verschiedenen Gründen nutzen, unter anderem um einen Angriff zu vermeiden und seine Nuklear-, Raketen- und Militäranlagen zu verstärken."
Die USA hatten gefordert, dass der Iran kein Uran mehr anreichert. Zudem wollen die USA, dass der Iran seine Vorräte an hochangereichertem Uran (HEU) aufgibt. Die Internationale Atomenergie-Organisation schätzte diese Vorräte im vergangenen Jahr auf mehr als 440 Kilogramm, das zu bis zu 60 Prozent spaltbar angereichert ist. Das ist nicht weit entfernt von den 90 Prozent, die als waffenfähig gelten. Zu den US-Forderungen gehören auch Beschränkungen für Langstreckenraketen des Iran, was das Land ablehnt.