Krakau, 20. Feb (Reuters) - Die fünf größten europäischen Militärmächte wollen angesichts der russischen Bedrohung gemeinsam die Entwicklung von Kampfdrohnen vorantreiben. Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien und Polen planen den Start einer entsprechenden Initiative, geht aus einem Entwurf für die Abschlusserklärung ihres Treffens am Freitag hervor, den die Nachrichtenagentur Reuters einsehen konnte. Ein Vertreter des polnischen Verteidigungsministeriums bestätigte die Pläne. Ziel sei es, die eigene Rüstungsindustrie zu stärken und Lehren aus dem Ukraine-Krieg zu ziehen.
Dem Dokument zufolge wollen sie das Projekt "Low-Cost Effectors and Autonomous Platforms" (LEAP) ins Leben rufen. Dabei gehe es um die enge Zusammenarbeit bei der Entwicklung und Beschaffung kostengünstiger Waffensysteme und autonomer Plattformen. Der Krieg in der Ukraine hat gezeigt, dass solche Drohnen eine effiziente und billige Alternative zu teuren Flugabwehrraketen darstellen können. Die Verbündeten der Ukraine wollen diese Erfahrungen nun für die Modernisierung der eigenen Streitkräfte nutzen.
Hintergrund des Vorstoßes sind auch wachsende Zweifel in Europa an der langfristigen Beistandsgarantie der USA im Rahmen der Nato. Die europäischen Staaten wollen daher ihre eigenen Verteidigungsfähigkeiten stärken. In der Erklärung heißt es dem Entwurf zufolge, die Minister unterstützten eine "reale Erhöhung der Produktionskapazitäten der europäischen verteidigungsindustriellen Basis". Zudem lobten sie das Engagement der EU, den Mitgliedstaaten mehr finanziellen Spielraum für Verteidigungsausgaben zu gewähren und Kreditinstrumente zu schaffen. Die Rolle der EU bestehe jedoch darin, die Fähigkeiten zu unterstützen – die Verteidigungshoheit bleibe auf nationaler Ebene.