
Berlin, 19. Feb (Reuters) - Bundeskanzler Friedrich Merz hält es für ausgeschlossen, dass es mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin jemals wieder normale Beziehungen geben kann. "Ich halte das für nahezu ausgeschlossen", sagte Merz in einem Interview der "Neuen Berliner Redaktionsgemeinschaft". "Wenn ich mir dieses Regime anschaue und diesen blindwütigen Terror, habe ich wenig Hoffnung." Auf die Frage nach neuen Gasimporten fügte Merz hinzu, dass man sich keine Illusionen machen sollte. "Die russische Machtclique kann auf absehbare Zeit gar nicht ohne Krieg auskommen. Sie muss die Kriegsmaschinerie am Laufen halten, weil sie keinen Plan hat, was sie sonst mit den Hunderttausenden von zum Teil schwer traumatisierten Soldaten machen soll, die von der Front zurückkehren."
Dies habe Auswirkungen auf den Krieg in der Ukraine. Dieser werde erst zu Ende gehen, wenn eine der beiden Seiten erschöpft ist, "entweder militärisch oder ökonomisch". Europäisches Ziel sei es, dass der russische Staat den Krieg militärisch nicht weiterführen und ökonomisch nicht weiter finanzieren könne. "Vernunft und humanitäre Argumente werden Putin nicht überzeugen. Das ist die bittere Wahrheit."
Merz zitierte den amerikanisch-französischen Historiker Astolphe de Custine, der im 19. Jahrhundert nach langen Reisen durch Russland gesagt habe: "Russland ist in unseren Tagen für den Beobachter das merkwürdigste Land, weil man in ihm die tiefste Barbarei neben der höchsten Civilisation findet." Dies sei immer noch aktuell. "Wir erleben im Augenblick dieses Land in einem Zustand der tiefsten Barbarei. Das wird sich in absehbarer Zeit auch nicht ändern, und damit müssen wir uns abfinden."