
Frankfurt, 18. Feb (Reuters) - Die Luftfracht in Deutschland hat im vergangenen Jahr von der US-Zollpolitik profitiert. Das Aufkommen stieg 2025 leicht um 1,6 Prozent auf 4,86 Millionen Tonnen, wie der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft (BDL) am Mittwoch in Berlin mitteilte. Treiber waren demnach vor allem temporäre Nachfragespitzen, da Unternehmen wegen der bevorstehenden Zollerhöhungen ihre Lager in den USA füllten. Der größte deutsche Airport Frankfurt konnte seinen Spitzenplatz als führender Frachtflughafen Europas zurückerobern.
Europaweit und global legte das Frachtaufkommen aber stärker zu um rund drei Prozent. Die US-Regierung unter Präsident Donald Trump hatte im April den Einfuhrzoll auf Autos und Autoteile auf 25 Prozent erhöht. Im August wurde ein genereller Zoll von 15 Prozent eingeführt.
Mit Blick auf Passagierflüge zeichnet der Verband trotz der Senkung der Luftverkehrssteuer weiter ein düsteres Bild des deutschen Standorts. Die deutschen Flughäfen zählten mit 219,6 Millionen Passagieren 3,6 Prozent mehr als im Vorjahr. Das Wachstum hinke dennoch dem europäischen und globalen Trend zunehmend hinterher. Das Angebot an Flugverbindungen habe hierzulande 2025 nur rund 89 Prozent des Niveaus von 2019, dem Jahr vor Ausbruch der Corona-Pandemie, erreicht. Im restlichen Europa lag der Wert im Schnitt bei 108 Prozent. Dabei erreichten 18 Länder mindestens das Vorkrisenniveau und bis zu 29 Prozent Wachstum, 14 Länder lagen unter dem Volumen von 2019.
Für das erste Halbjahr erwartet der Verband nur zwei Prozent mehr Sitzplatzangebot. "Während in Europa so viel geflogen wird wie nie zuvor, bleibt Deutschland weiter abgekoppelt vom Luftfahrt-Boom", sagte BDL-Hauptgeschäftsführer Joachim Lang. Dies sei ein "ernstes Warnsignal für die internationale Anbindung unseres Wirtschaftsstandortes". Es mangelt demnach vor allem an Inlandsflügen und Angeboten der Billigflieger, denen die staatlichen Kosten durch Steuern und Gebühren zu hoch sind. Die Bundesregierung hatte Ende letzten Jahres beschlossen, ab Juli die 25-prozentige Erhöhung der Luftverkehrssteuer vom Mai 2024 zurückzunehmen. Der BDL sieht das als ersten Schritt in die richtige Richtung und fordert weitere Entlastungen. Umweltverbände kritisierten das als kontraproduktiv in Sachen Klimaschutz.