
- von Tom Sims und John O'Donnell
Frankfurt, 11. Feb (Reuters) - Die Deutsche BankDBKGn.DE hat ihre Geschäftsbeziehung zu dem verurteilten Sexualstraftäter Jeffrey Epstein noch monatelang fortgeführt, nachdem sie Epstein Ende 2018 deren Kündigung mitgeteilt hatte. Alle Konten wurden erst nach dessen Verhaftung im Juli 2019 geschlossen. Dies geht aus Dokumenten des US-Justizministeriums hervor, die in den vergangenen Wochen veröffentlicht wurden. Demnach erbrachte das größte deutsche Geldhaus auch nach der angekündigten Kündigung weiterhin Dienstleistungen für den US-Investor, der einen Ring zur sexuellen Ausbeutung Minderjähriger unterhalten hatte.
Die Deutsche Bank organisierte den Dokumenten zufolge etwa am 9. April 2019 kurzfristig eine Bargeldbestellung über 50.000 Euro in "großen Scheinen" vor einer Europareise Epsteins. Dies löste eine hektische interne Suche nach Epsteins Ausweis aus, da die Bank feststellen musste, dass der hinterlegte Ausweis bereits 2015 abgelaufen war. Eine Auswertung der US-Dokumente durch die Nachrichtenagentur Reuters zeigt zudem, dass Epstein am 3. Mai 2019 noch mindestens neun Konten mit einem Gesamtguthaben von 1,776,680 Dollar bei der Deutschen Bank unterhielt. Obwohl die Bank Epstein in einem Schreiben vom 21. Dezember 2018 eine Frist bis zum 28. Februar 2019 zur Auflösung seiner Konten gesetzt hatte, wurden ihm weit darüber hinaus Dienstleistungen angeboten.
Brisant erscheint auch ein Schreiben des damaligen Kundenbetreuers Stewart Oldfield vom 18. März 2019 an eine andere Bank, die Gelder von Epstein aufnahm. Darin hieß es: "Uns sind keinerlei Probleme im Zusammenhang mit der Führung oder Nutzung seiner Konten bekannt." Von Oldfield, der nicht mehr für die Deutsche Bank arbeitet, war dazu keine Stellungnahme zu erhalten. Zu den weiteren Dienstleistungen nach der Kündigungsfrist zählten die Hilfe bei der Rückerstattung einer Anzahlung von 10.000 Euro von einem Mercedes-Benz-Händler in Paris sowie mindestens zwei weitere Bargeldbestellungen. Im März 2019 flossen zudem mehr als 30 Millionen Dollar durch eines seiner Konten, das unter dem Namen Southern Trust Company firmierte.
KÖNNEN SIE BESTÄTIGEN, DASS ER KEIN KUNDE MEHR IST?
Erst die Nachricht von Epsteins Verhaftung am 6. Juli 2019 führte zum endgültigen Bruch. "Können Sie bitte bestätigen, dass er jetzt kein Kunde mehr ist?", schrieb der damalige Leiter der Vermögensverwaltung und heutige Vorstand Fabrizio Campelli an einen Mitarbeiter, nachdem die Verhaftung bekanntgeworden war. In einer anderen E-Mail mit der Betreffzeile "DRINGEND!!! Müssen Konten so schnell wie möglich schließen - bitte heute priorisieren" wurden 28 Konten aufgelistet. Campelli lehnte eine Stellungnahme ab.
Die Deutsche Bank teilte mit, die Aufnahme Epsteins als Kunde sei ein Fehler gewesen, und man bedauere die Verbindung zutiefst. "Die Bank hat Epstein im Dezember 2018 mitgeteilt, dass sie beabsichtigt, seine Konten zu schließen", hieß es in einer Stellungnahme. "Die Bank hat in den folgenden Monaten daran gearbeitet sicherzustellen, dass Epsteins Vermögen aus der Bank transferiert wird." Die Tiefe der Beziehung war 2020 bestätigt worden, als die Deutsche Bank einer Strafzahlung von 150 Millionen Dollar an die New Yorker Finanzaufsicht zustimmte. Die Behörde warf dem Frankfurter Geldhaus damals vor, die Risiken im Gegenzug für hohe Gewinne ignoriert zu haben. Die Deutsche Bank hatte Epstein 2013 als Kunden aufgenommen, nachdem JPMorgan die Konten des Financiers geschlossen hatte. Epstein hatte sich bereits 2008 der Anstiftung zur Prostitution einer Minderjährigen schuldig bekannt.
Epstein hatte über Jahre hinweg einen Ring zur sexuellen Ausbeutung Minderjähriger unterhalten und weltweit Kontakte zu hochrangigen Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Adel gepflegt. Er wurde im Juli 2019 festgenommen und nahm sich den US-Behörden zufolge einen Monat später in einer New Yorker Gefängniszelle das Leben.