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Bilanzprobleme bei Gerresheimer verschärft - US-Tochter vor Verkauf

ReutersFeb 10, 2026 10:50 PM

- In den Bilanzen des Verpackungskonzerns GerresheimerGXIG.DE sind weitere Fehler aufgetaucht, die auch das abgelaufene Jahr betreffen. Das Düsseldorfer Unternehmen spricht von Verstößen eigener Mitarbeiter gegen interne Richtlinien und gegen die internationalen Rechnungslegungsvorschriften (IFRS). Dabei gehe es um die Erfassung von Umsätzen und die Bewertung von Vorräten, teilte Gerresheimer am Dienstagabend mit. Es seien bereits erste personelle Konsequenzen gezogen worden. Die "Bilanzpolizei" der Finanzaufsicht BaFin hatte im September gerügt, dass Gerresheimer Umsätze 2024 vorzeitig verbucht hatte, obwohl die Waren noch gar nicht ausgeliefert worden waren.

Um sich finanziell Luft zu verschaffen, will das Unternehmen nun ein Werk in den USA schließen und seine US-Tochter Centor verkaufen, die Verpackungssysteme für verschreibungspflichtige Medikamente in den USA herstellt. Centor stand Ende 2024 mit einem Wert von 292 Millionen Euro in der Bilanz. Für die Tochter gebe es großes Interesse möglicher Käufer. Die Investmentbank Morgan Stanley soll noch in diesem Jahr einen neuen Eigentümer finden. Der eigentlich noch für 2026 geplante Verkauf der Behälterglas-Sparte Moulded Glass wird dagegen verschoben. Auf die US-Tochter Moulded Glass Chicago Inc und auf Projekte der Schweizer Tochter Sensile Medical muss Gerresheimer zwischen 220 und 240 Millionen Euro abschreiben. Das Behälterglas-Werk in Chicago Heights soll Ende 2026 geschlossen werden. Das Geschäft soll auf drei Werke in Italien und Indien verlagert werden.

Die Abschreibungen und die Bilanzkorrekturen könnten das Unternehmen im vergangenen Jahr in die roten Zahlen gedrückt haben. Der Umsatz sei nach vorläufigen Erkenntnissen um zwei Prozent oder weniger zurückgegangen, die bereinigte operative Umsatzrendite (Ebitda-Marge) liege aber mit 16,5 bis 17,5 Prozent unter den bereits im Herbst gestutzten Prognosen (18,5 bis 19 Prozent). Die falsch gebuchten Umsätze hätten sich auch auf 2025 ausgewirkt, erklärte das Unternehmen. Das bereinigte Nettoergebnis könne im schlimmsten Fall negativ ausfallen.

In der Bilanz für 2024 seien 35 Millionen Euro Umsatz und 24 Millionen bereinigtes Ebitda zu viel verbucht worden, hieß es in der Mitteilung - das ist deutlich mehr als bisher gedacht. Die BaFin stößt sich am bilanziellen Umgang mit sogenannten "Bill-and-Hold"-Vereinbarungen, bei denen dem Kunden die verkaufte Ware zwar in Rechnung gestellt, diese aber erst später ausgeliefert wird. Bis dahin lagert der Hersteller sie ein. Nach IFRS dürften die Umsätze aber erst bei der Auslieferung verbucht werden, wie Gerresheimer im Dezember eingeräumt hatte.

Inzwischen wurde eine zweite Wirtschaftsprüfungsgesellschaft eingeschaltet, um die Vorgänge aufzuklären und sicherzustellen, dass die Altlasten vollständig bereinigt werden. Deshalb werde sich die Vorlage der Bilanz für 2024, die eigentlich für 26. Februar geplant war, verzögern. Für das laufende Jahr stellt Gerresheimer trotz eines voraussichtlich schwächeren ersten Halbjahres ein Umsatzwachstum von 2,3 bis 2,4 Milliarden Euro und eine operative Marge von 18 bis 19 Prozent in Aussicht.

Gerresheimer-Aktie verloren am Dienstagabend in Folge der Nachrichten nachbörslich rund zwölf Prozent.

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