
Oslo, 08. Feb (Reuters) - Auch in Norwegen ist es im Zuge des Skandals um Jeffrey Epstein zu personellen Konsequenzen gekommen. Die Top-Diplomatin Mona Juul tritt wegen ihrer Verbindungen zu dem Sexualstraftäter von ihrem Posten zurück. Der Kontakt zu Epstein zeuge von einer schwerwiegenden Fehleinschätzung, erklärte Außenminister Espen Barth Eide am Sonntag. Der Fall mache es schwierig, das für das Amt notwendige Vertrauen wiederherzustellen. Das Ministerium hatte Juul, die zuletzt Botschafterin in Jordanien und im Irak war, bereits in der Woche zuvor suspendiert. Auslöser waren neu veröffentlichte US-Dokumente, die ihre Verbindungen zu Epstein belegten. Ihr Anwalt teilte mit, der Rücktritt sei freiwillig erfolgt und Juul werde vollumfänglich bei der Aufklärung kooperieren.
Die 66-Jährige gilt als eine der bekanntesten Diplomatinnen des Landes. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Terje Rød-Larsen spielte sie eine Schlüsselrolle bei den Oslo-Abkommen in den 1990er Jahren, die eine Lösung im Nahost-Konflikt bringen sollten. Auch Rød-Larsen geriet ins Visier der Behörden: Das Außenministerium kündigte an, frühere Zuwendungen an das International Peace Institute (IPI) zu überprüfen. Rød-Larsen hatte den New Yorker Thinktank bis 2020 geleitet. Sein Anwalt erklärte, Rød-Larsen habe keine Einwände gegen eine erneute Prüfung.
Die Enthüllungen um Epstein ziehen immer weitere Kreise. In Großbritannien trat am Sonntag Morgan McSweeney, der Stabschef von Premierminister Keir Starmer, zurück. In Frankreich In Frankreich gab der frühere Kulturminister Jack Lang sein Amt als Präsident des Instituts der Arabischen Welt auf. In Norwegen hatte sich am Freitag bereits Kronprinzessin Mette-Marit erneut für ihre früheren Kontakte zu dem US-Multimillionär entschuldigt. Epstein hatte sich 2019 im Gefängnis nach Polizeiangaben das Leben genommen, wo er auf seinen Prozess wegen Menschenhandels und Missbrauchs von Minderjährigen wartete. Er soll unter anderem Prominenten und Reichen Minderjährige zugeführt haben.