
Washington, 08. Feb (Reuters) - Der Verleger und Vorstandschef der "Washington Post", Will Lewis, verlässt die Zeitung. Dies teilte das Blatt am Samstag mit. Sein Rücktritt folgt auf eine Entlassungswelle, bei der in dieser Woche rund ein Drittel der Belegschaft entlassen wurde. "Während meiner Amtszeit wurden schwierige Entscheidungen getroffen, um die Zukunft der 'Post' zu sichern", schrieb Lewis in einer Mitteilung an die Belegschaft. Der Finanzchef der Zeitung, Jeff D'Onofrio, werde das Amt des Verlegers und Vorstandschefs kommissarisch übernehmen, hieß es weiter. Die Zeitung gehört Amazon-Gründer Jeff Bezos.
Die Gewerkschaft der "Post"-Mitarbeiter bezeichnete den Rücktritt von Lewis als notwendig. "Der Rücktritt von Will Lewis ist längst überfällig", erklärte die Washington Post Guild. "Sein Vermächtnis wird der Versuch sein, eine große amerikanische journalistische Institution zu ruinieren." Der Eigentümer der Zeitung, Amazon-Gründer Jeff Bezos, müsse die Entlassungen unverzüglich rückgängig machen oder die Zeitung verkaufen. Bezos, der die Zeitung 2013 kaufte, nannte den Führungswechsel eine "außergewöhnliche Chance". Lewis war für seine Abwesenheit während der Entlassungen am Mittwoch kritisiert worden. Der ehemalige Chefredakteur der Zeitung, Marty Baron, hatte diese als "einen der dunkelsten Tage" in der Geschichte des Blattes bezeichnet.
Lewis, ein ehemaliger Leiter von Dow Jones und Verleger des "Wall Street Journal", war 2023 in das Amt berufen worden, als die Zeitung hohe finanzielle Verluste verzeichnete. Während seiner Amtszeit verantwortete er mehrere Entlassungsrunden und musste den Verlust von Hunderttausenden von Abonnenten hinnehmen. Dies geschah, nachdem die Zeitung aufgehört hatte, Wahlempfehlungen für US-Präsidentschaftskandidaten auszusprechen und ihrem Meinungsteil eine libertärere Ausrichtung gab. Seine Amtszeit war zudem von Kontroversen geprägt. Eine Auseinandersetzung mit der damaligen Chefredakteurin Sally Buzbee führte 2024 zu deren Abgang. Daraufhin sorgte Lewis in der Redaktion für Empörung, als er versuchte, den britischen Journalisten Robert Winnett einzustellen, der wie Lewis selbst mit einem Abhörskandal in Verbindung gebracht wurde.