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HINTERGRUND-Kuba im Würgegriff der USA - Kaum Strom und Benzin in Havanna

ReutersFeb 1, 2026 8:26 AM

- von Dave Sherwood

- In weiten Teilen von Kubas Hauptstadt Havanna regiert der nackte Überlebenskampf. Vielen "Habaneros" fehlt es am Nötigsten, das irgendwie organisiert werden muss. Die ganze Karibikinsel ächzt unter der miserablen Versorgungslage in dem kommunistisch regierten Land, die sich seit den von US-Präsident Donald Trump vorangetriebenen Sanktionen noch einmal verschlechtert hat. Die Hauptstädter kämpfen mit immer längeren Stromausfällen und explodierenden Preisen für Lebensmittel und Benzin. Dieses Bild setzt sich zusammen aus über drei Dutzend Gesprächen, die Reuters mit Straßenverkäufern, Taxifahrern, Staatsbediensteten und anderen Einwohnern führte.

Zwar ist der Mangel an funktionierender Stromversorgung, Internet oder Wasserpumpen nichts Neues in weiten Teilen der ländlichen Gebiete. Doch nun erreicht die Krise mit voller Wucht auch die Küstenmetropole mit ihren berühmten Oldtimern aus den 1950er Jahren, spanischer Kolonialarchitektur, den Reminiszenzen an Hemingway und den Erinnerungsorten der einstigen Idole der weltweiten Linken Che Guevara und Fidel Castro. "Früher wurde der Strom zwei- oder dreimal pro Woche abgeschaltet, jetzt ist es jeden Tag, manchmal bis zu zwölf Stunden", berichtet Raysa Lemu, deren Wohnung an einer Hauptstraße am Stadtrand liegt. Wenn die Ampeln ausfallen, komme es an den Kreuzungen immer häufiger zu Unfällen.

Die Lage verschärft sich dramatisch, da die USA Treibstofflieferungen aus Venezuela und danach aus Mexiko unterbunden haben. Trump droht zudem Ländern mit Sanktionen, die Kuba mit Öl versorgen. Die wirtschaftlichen Folgen sind verheerend. Der kubanische Peso hat innerhalb von drei Wochen mehr als zehn Prozent an Wert verloren, was die Lebensmittelpreise in die Höhe treibt. "Das hat mich in eine unmögliche Situation gebracht", klagt die Hausfrau Yaite Verdecia. "Es gibt kein Gehalt, das damit fertig wird." Außenminister Bruno Rodriguez rief am Freitag einen "internationalen Notstand" aus und sprach von einer "außergewöhnlichen Bedrohung". Eine Antwort darauf, wie die Lage gebessert werden soll, bleibt die Regierung jedoch schuldig.

Besonders kritisch ist die Lage an den Tankstellen. Benzin wird fast nur noch gegen US-Dollar verkauft – eine Währung, zu der kaum ein Kubaner Zugang hat. Der Verkauf in nationaler Währung sei eingestellt worden, berichtet der Einwohner Jesus Sosa. Dies trifft den öffentlichen wie den privaten Nahverkehr. "Man muss den Preis zahlen oder zu Hause bleiben", sagt Daylan Perez, der private Taxis vermittelt. Selbst Elektrofahrzeuge sind keine Lösung mehr: Taxifahrer Alexander Leyet kann sein Dreirad wegen der Stromsperren nur noch vier bis fünf Stunden laden.

Trotz der immer auswegloseren Lage gibt es kaum Anzeichen für offene Proteste. Die Regierung geht scharf gegen Kritik vor, zudem hat die Auswanderung von bis zu zwei Millionen Menschen seit der Coronavirus-Pandemie die Opposition im Land geschwächt. Doch die Verzweiflung wächst. "Ich bete nur, dass Gott einen Weg findet, uns aus diesem Schlamassel zu holen", sagt die 71-jährige Straßenverkäuferin Mirta Trujillo unter Tränen. Sie könne sich kein Essen mehr leisten, nachdem staatliche Rationen gekürzt wurden. "Ich bin nicht gegen mein Land ... aber ich will nicht verhungern."

Viele haben die Hoffnung auf Besserung aufgegeben – sei es durch die eigene Regierung oder durch die USA. Die 69-jährige Reinigungskraft Julia Anita Cobas steht jeden Morgen um 04.00 Uhr auf für einen 16 Kilometer langen Arbeitsweg, der mittlerweile fast vier Stunden in Anspruch nimmt. "Seit ich geboren wurde, bedrohen uns die USA, und jeden Tag haben wir mit Not zu tun", sagt sie resigniert. "Aber wir haben alles überlebt." Andere blicken weniger stoisch in die Zukunft. "Wir ertrinken. Aber wir können nichts tun", resümiert die 32-jährige Aimee Milanes. "Es geht ums Überleben. Sonst nichts."

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