
Berlin, 26. Jan (Reuters) - Die deutsche Elektro- und Digitalindustrie rechnet nach drei schwierigen Jahren mit Stagnation und Rückgängen 2026 erstmals wieder mit Wachstum. "Die Branche hat sich stabilisiert. Wir rechnen für dieses Jahr wieder mit einem realen Produktionsplus von zwei Prozent", sagte der Präsident des Branchenverbandes ZVEI, Gunther Kegel, am Montag zu Journalisten. Das Jahr 2025 sei zumindest besser gelaufen als gedacht. In den ersten elf Monaten 2025 habe es ein Produktionsminus von 0,5 Prozent gegeben. Befürchtet worden sei hier ursprünglich ein Rückgang von zwei Prozent.
Die nominalen Erlöse mit Gütern und Dienstleistungen drehten 2025 schon ins Positive. Hochgerechnet auf das Gesamtjahr lagen sie laut Verband voraussichtlich bei 226 Milliarden Euro. Das entspricht einem Plus von 2,7 Prozent gegenüber dem Jahr zuvor. Kegel verwies vor allem auf die Auftragseingänge, die für Hoffnung sorgten. Sie seien im vergangenen Jahr um insgesamt fünf Prozent geklettert.
Wie viele Industriezweige derzeit leidet auch die Elektrobranche unter einer vergleichsweise geringen Auslastung der Produktionskapazitäten. Mit 78 Prozent seien es zwar vier Prozentpunkte mehr als vor einem Jahr, so der ZVEI. Der langfristige Durchschnitt liege allerdings bei 83 Prozent. Die Unternehmen der Branche haben vergangenes Jahr bis Ende November fast zwei Prozent der Stellen abgebaut. Gut 877.000 Menschen arbeiten noch in der deutschen Elektro- und Digitalindustrie.
Bei den Elektroexporten gab es 2025 - auf Basis der Daten bis Ende November - ein Plus von 4,6 Prozent auf 236,2 Milliarden Euro. Entscheidend waren dabei Ausfuhren in den EU-Binnenmarkt und nach Großbritannien. Sie bügelten die Rückgänge in den USA und China aus.
Beim Ausbau von Künstlicher Intelligenz (KI) sollte sich Deutschland laut ZVEI vor allem auf industrielle Rechen- und Optimierungsmodelle konzentrieren. Deutschland habe deutlich mehr Industriedaten als die meisten anderen Staaten. Die europäische Regulierung dazu wirke aber wie die Einführung von Tempo 30 auf Autobahnen. "Wir bremsen uns selbst aus. Das darf nicht sein", sagte Wolfgang Weber, Vorsitzender der ZVEI-Geschäftsführung. Industrielle Anwendungen müssten aus der Regulierung herausgenommen werden.