
Kiew, 25. Jan (Reuters) - In der ukrainischen Hauptstadt Kiew sind nach einem russischen Großangriff auch am Sonntag noch rund 1700 Wohngebäude ohne Heizung. Bürgermeister Witali Klitschko erklärte auf dem Kurznachrichtendienst Telegram, seit Samstagabend hätten Versorgungsunternehmen die Wärmeversorgung für mehr als 1600 Gebäude wiederhergestellt. "Sie arbeiten weiter daran, die Versorgung für die Wohnungen der Kiewer wiederherzustellen", erklärte Klitschko. Derweil sollen die Verhandlungen der Ukraine, Russlands und der USA über ein Ende des Krieges kommende Woche fortgesetzt werden, wie ein US-Vertreter in Abu Dhabi sagte. Weitere Gespräche würden am kommenden Sonntag wieder in der Hauptstadt der Vereinigten Emirate erwartet, hieß es. Die Ukraine und Russland zeigten sich offen, den Dialog fortzusetzen.
Russland hatte am Samstag einen massiven Raketen- und Drohnenangriff auf das ukrainische Energiesystem gestartet. In der Folge waren landesweit 1,2 Millionen Haushalte bei Temperaturen unter dem Gefrierpunkt ohne Strom. Dem stellvertretenden Ministerpräsidenten Olexij Kuleba zufolge waren in Kiew am Samstagmorgen zunächst 6000 Gebäude ohne Heizung, am Abend waren es noch 3200.
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warf Russland vor, gezielt den Energiesektor, kritische Infrastruktur und Wohngebäude anzugreifen. Allein in der vergangenen Woche habe Russland mehr als 1700 Angriffsdrohnen, über 1380 gelenkte Fliegerbomben und 69 Raketen gegen die Ukraine eingesetzt, sagte Selenskyj auf der Plattform X. Jeder massive Angriff Russlands könne verheerende Auswirkungen haben. "Wir arbeiten mit jedem Staats- und Regierungschef zusammen, um die Ukraine zu stärken", sagte Selenskyj, der am Sonntag Litauen besuchte. "Jeder muss die von Russland ausgehende Bedrohung klar verstehen."
GESPRÄCHE IM DREIER-FORMAT SOLLEN WEITERGEHEN
Moskau hat seit Beginn der Invasion 2022 die Angriffe auf das ukrainische Energiesystem stark intensiviert. Der großangelegte Angriff auf die ukrainische Hauptstadt fand statt, während ukrainische, russische und US-amerikanische Unterhändler in Abu Dhabi über Möglichkeiten zur Beendigung des Krieges verhandelten.
In den Erklärungen nach Abschluss des Treffens wurde nicht von einer Einigung gesprochen. "Im Mittelpunkt der Gespräche standen die möglichen Parameter für ein Kriegsende", schrieb Selenskyj auf X. Der Vertreter der US-Regierung sagte zu Journalisten: "Wir haben im Raum großen Respekt zwischen den Parteien erlebt, da sie wirklich an Lösungen interessiert waren." Man sei sehr ins Detail gegangen. Es könne sein, dass es am kommenden Sonntag ein weiteres Treffen gebe, "wo wir dieses Abkommen zu seinem endgültigen Abschluss bringen".
Der außenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Jürgen Hardt, kritisierte Russland scharf. "Erneut bleiben die Ukraine-Gespräche ergebnislos und erneut war es Russland, das mit seinen Maximalforderungen einen echten Fortschritt verhindert hat", sagte Hardt der "Rheinischen Post". Parallel zu den Gesprächen in Abu Dhabi überziehe der russische Präsident Wladimir Putin die Ukraine mit "Wellen von Terrorangriffen" gegen Zivilisten und die zivile Infrastruktur. "Putin will nach wie vor keinen echten Frieden, sondern die Kapitulation der Ukraine." Hardt betonte, es sei zu hoffen, dass die USA dieses Spiel Russlands durchschauen und ihre Hilfe für die Ukraine verstetigen.