
Minneapolis, 25. Jan (Reuters) - Ein US-Grenzschutzbeamter hat in Minneapolis einen US-Bürger erschossen und damit heftige Proteste und scharfe Kritik von Politikern vor Ort ausgelöst. Während das US-Heimatschutzministerium von Notwehr gegen einen Angriff sprach, scheinen Videos von Augenzeugen dieser Darstellung zu widersprechen. Dem Ministerium zufolge nutzte ein Beamter der Grenzpolizei Border Patrol seine Waffe zur Selbstverteidigung, nachdem sich ein Mann mit einer Pistole genähert und sich gewaltsam seiner Entwaffnung widersetzt hatte.
Die von der Nachrichtenagentur Reuters geprüften Videos zeigen jedoch, wie der Mann ein Mobiltelefon in der Hand hält und versucht, anderen Demonstranten zu helfen, die von den Beamten zu Boden gestoßen wurden. Als einer von ihnen Pfefferspray gegen ihn einsetzt, wird er von mehreren Beamten zu Boden gerungen. Die Aufnahmen zeigen schließlich, wie einer der Beamten ihm offenbar eine Waffe entnimmt und sich damit von der Gruppe entfernt. Augenblicke später feuert ein anderer Beamter aus nächster Nähe vier Schüsse in den Rücken des am Boden liegenden Mannes ab. Nachdem der Mann am Boden liegt, sind weitere Schüsse zu hören.
Der Getötete konnte als 37-jähriger US-Bürger identifiziert werden, der als Intensivkrankenpfleger arbeitete. Sein Tod brachte Hunderte von Demonstranten auf die Straße, die sich den bewaffneten und maskierten Beamten entgegenstellten. Diese setzten Tränengas und Blendgranaten ein.
GEGENSEITIGE SCHULDZUWEISUNGEN VON DEMOKRATEN UND REPUBLIKANERN
"Ich habe das Video aus mehreren Blickwinkeln gesehen und es ist widerwärtig", sagte der Gouverneur von Minnesota, Tim Walz. Man könne der US-Regierung nicht zutrauen, diese Untersuchung zu leiten, der Bundesstaat werde sie übernehmen. Der Polizeichef von Minneapolis, Brian O'Hara, bestätigte, bei dem Getöteten handele es sich um einen legalen Waffenbesitzer ohne Vorstrafen.
Heimatschutzministerin Kristi Noem sagte hingegen, der Mann sei nicht dort gewesen, um friedlich zu protestieren. "Er war dort, um Gewalt auszuüben." US-Präsident Donald Trump warf den örtlichen Politikern vor, die Opposition anzustacheln. "Der Bürgermeister und der Gouverneur schüren mit ihrer pompösen, gefährlichen und arroganten Rhetorik einen Aufstand", schrieb der republikanische Präsident in den sozialen Medien. Vizepräsident JD Vance warf den örtlichen Politikern vor, den Einwanderungsbeamten die Unterstützung der örtlichen Polizei zu verweigern.
Trump hat Tausende Bundesbeamte der Einwanderungsbehörde in von Demokraten geführte Städte in den gesamten USA entsandt, was zu zahlreichen Protesten und Zwischenfällen geführt hat. Gouverneur Walz und andere Politiker forderten ein sofortiges Ende des Einsatzes der Einwanderungsbehörden. "Wie viele Einwohner, wie viele Amerikaner müssen noch sterben oder schwer verletzt werden, damit dieser Einsatz endet?", fragte der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, auf einer Pressekonferenz.
Erst am Freitag hatten mehr als 10.000 Menschen auf den eisigen Straßen gegen die Anwesenheit der rund 3000 Bundesbeamten protestiert. Die Wut der Anwohner war bereits durch mehrere Vorfälle geschürt worden. Dazu zählen die Tötung der 37-jährigen Renee Good durch einen Bundesbeamten am 7. Januar, die Festnahme eines US-Bürgers, der nur mit Shorts bekleidet aus seinem Haus geholt wurde, sowie die Festnahme von Schulkindern, darunter ein fünfjähriger Junge. Auch im Fall von Good hatten Vertreter der Trump-Regierung erklärt, ein Beamter habe in Notwehr gehandelt, und eine Beteiligung der örtlichen Behörden an der Untersuchung verweigert.