
Genf, 23. Jan (Reuters) - Der UN-Hochkommissar für Menschenrechte, Volker Türk, hat dem Iran eine "brutale Unterdrückung" von Protesten mit Tausenden Toten vorgeworfen und ein Ende der Gewalt gefordert. Unter den Getöteten seien auch Kinder, sagte Türk am Freitag auf einer Dringlichkeitssitzung des Menschenrechtsrates der Vereinten Nationen (UN) in Genf. "Ich fordere die iranischen Behörden auf, ihre Haltung zu überdenken, sich zurückzuziehen und ihre brutale Unterdrückung zu beenden", sagte Türk. Das Vorgehen der Behörden sei "ein Muster der Unterwerfung und der übermäßigen Gewalt, das niemals die Missstände und die Frustration der Menschen beheben kann".
Menschenrechtsgruppen zufolge wurden während der Proteste, die Ende Dezember begonnen hatten und inzwischen angesichts des massiven Drucks der Sicherheitskräfte weitgehend abgeflaut sind, Tausende Menschen getötet und zahlreiche festgenommen. Die in den USA ansässige Organisation HRANA spricht von mehr als 4000 bestätigten Todesfällen, Tausende weitere Fälle würden noch überprüft. Nach Angaben eines Insiders aus der Regierung in Teheran wurden mindestens 5000 Menschen getötet. Darunter seien etwa 500 Angehörige der Sicherheitskräfte.
US-Präsident Donald Trump hat die Führung im Iran erneut vor Hinrichtungen von Regierungsgegnern gewarnt. Eine "Armada" der USA sei auf dem Weg in Richtung Iran, sagte er am Donnerstag an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One. Er habe der Regierung in Teheran einen Militärschlag angedroht, falls weiter Demonstranten erhängt würden. Die Lage werde genau beobachtet. Er hoffe aber, dass die USA ihre mächtige Flotte nicht einsetzen müssten.
Darauf sagte Mohammed Dschawad Hadsch Ali Akbari, ein einflussreicher Geistlicher und Vorbeter der Freitagsgebete in Teheran, der Iran könne als Vergeltung für einen solchen Angriff US-bezogene Investitionen in der Region ins Visier nehmen. "Die Billion Dollar, die Sie in der Region investiert haben, sind im Visier unserer Raketen", sagte er vor einer großen Menschenmenge iranischen Nachrichtenagenturen zufolge. Er präzisierte nicht, auf welche Investitionen er sich bezog.
Auslöser der jüngsten Protestwelle sind die massive Wirtschaftskrise und der rapide Absturz der Landeswährung Rial. Ihren Anfang nahmen die Kundgebungen in Teheran, wo Händler ihrem Unmut Luft machten. Die Proteste breiteten sich rasch im ganzen Land aus und richteten sich auch gegen die Führung in der Islamischen Republik.