
Kairo, 20. Jan (Reuters) - Nach einem Gefängnisausbruch in Syrien gibt es widersprüchliche Angaben über die Zahl der entkommenen Kämpfer des sogenannten Islamischen Staates (IS). Das syrische Innenministerium teilte am Dienstag mit, es seien rund 120 Häftlinge aus dem Gefängnis in Schaddadi geflohen. Zuvor hatte die kurdische Nachrichtenseite Rudaw unter Berufung auf einen Sprecher der kurdisch geführten Demokratischen Kräfte Syriens (SDF) berichtet, es seien etwa 1500 IS-Mitglieder ausgebrochen.
Dem syrischen Ministerium zufolge haben Armeeeinheiten und Spezialkräfte 81 der Flüchtige wieder gefasst. Die Suche nach den verbliebenen Entkommenen dauere an. Die syrische Armee hatte zuvor die SDF, die das Gefängnis kontrollierte, beschuldigt, die Häftlinge freigelassen zu haben.
Die SDF wies dies zurück und warf ihrerseits den Regierungstruppen vor, sie hätten die Haftanstalt Schaddadi im Nordosten des Landes angegriffen. Auch in der Nähe des Gefängnisses Al-Aqtan bei der ehemaligen IS-Hochburg Rakka sei es zu Zusammenstößen gekommen. Die SDF sprach von einer hochgefährlichen Entwicklung, die den Weg für eine Rückkehr des Chaos und des Terrorismus ebnen könnte.
Dem Ausbruch waren tagelange Kämpfe zwischen Regierungstruppen und der SDF vorausgegangen. Am Sonntag hatten die Kurden zugestimmt, sich aus den Provinzen Rakka und Deir al-Zor zurückzuziehen. Teil des Abkommens war, dass die Verantwortung für die Gefängnisse mit den IS-Häftlingen der syrischen Regierung übergeben wird. Die SDF teilte am Montag mit, die USA hätten auf ein Hilfeersuchen nicht reagiert. Auch die Türkei erhöhte den Druck auf die Kurden und pochte auf die zügige Umsetzung der Vereinbarung.