
19. Jan (Reuters) - Der britische Premierminister Keir Starmer hat im Grönland-Streit mit den USA zu einem sachlichen Dialog unter Verbündeten aufgerufen, um einen Handelskrieg zu vermeiden. Ein solcher Konflikt sei für niemanden von Interesse, sagte Starmer am Montag auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz in London. Zugleich appellierte er an US-Präsident Donald Trump, Bündnisse wie die Nato zu respektieren, statt sie zu untergraben. Trumps Drohung, Zölle gegen Großbritannien und andere europäische Verbündete zu verhängen, bis die USA Grönland kaufen dürften, sei falsch. Er deutete allerdings an, derzeit keine Gegenzölle zu planen. "Zölle sollten nicht auf diese Weise gegen Verbündete eingesetzt werden", sagte Starmer. Er werde die ganze Kraft der Regierung einsetzen, um die US-Entscheidung zu stoppen, strebe derzeit aber keine Eskalation an.
Das Bündnis mit den USA habe Großbritannien seit Jahrzehnten Sicherheit und Wohlstand gebracht, sagte Starmer, der sich um eine verbale Abrüstung bemühte. Er werde daran arbeiten, diese Beziehungen zu bewahren und die Spannungen zu entschärfen. Über die Zukunft der dänischen Arktis-Insel hätten allein die Menschen in Grönland und Dänemark zu entscheiden. Zudem müssten historische Bündnisse Bestand haben.
Trump hatte am Samstag Großbritannien und sieben weiteren europäischen Nato-Staaten mit Zöllen gedroht, die in der vergangenen Woche eine kleine Zahl Soldaten nach Grönland entsandt hatten, um Wege für einen besseren Schutz der rohstoffreichen Insel zu erkunden. Vorausgegangen waren wiederholte Forderungen Trumps, Grönland aus Gründen der nationalen Sicherheit übernehmen zu wollen. Dabei verwies er vor allem auf eine wachsende Präsenz Russlands in der Arktis-Region. Starmer sagte, er habe am Sonntag mit Trump gesprochen und ihm erklärt, dass diese Soldaten das von Russland ausgehende Risiko bewerten sollten. Er hoffe, dass dies nun "wirklich klar" sei.
Starmer hat eine solide Beziehung zu Trump aufgebaut und war im Mai des vergangenen Jahres der erste Regierungschef, der eine Vereinbarung zur Senkung einiger Zölle erzielte. Auf die Frage, ob er glaube, dass Trump ernsthaft eine Militäraktion zur Übernahme Grönlands in Erwägung ziehe, sagte Starmer: "Das glaube ich eigentlich nicht. Ich denke, dies kann und sollte durch eine ruhige Diskussion gelöst werden."